20 Prozent der Schweizer Bevölkerung

Chronische Schmerzen betreffen 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung. An den Zahlen der nun mehr als zehn Jahre alten Erhebung über die Verbreitung von chronischen Schmerzen in Europa hat sich grundsätzlich bis heute nicht viel verändert. Allerdings ist das Thema «chronische Schmerzen» seither auf verschiedenen Ebenen immer präsenter geworden.

Einerseits wurde erkannt, dass chronische Schmerzen mehr als nur ein Symptom einer Fehlfunktion oder Schädigung des Körpers sein können. Aufgrund der Konsequenzen für die Betroffenen und deren Umfeld kommen chronische Schmerzen einer «Krankheit» viel näher.


Durch unsere Forschungen konnten wir in den letzten zehn Jahren viel über die Mechanismen der Entstehung von Schmerzen lernen.
 

Diese weisen darauf hin, dass eine Behandlung dieser Problematik nur in einem interdisziplinären Setting erfolgreich sein kann. Dieses Bewusstsein hat dazu geführt, dass sowohl in der Grundversorgung als auch der spezialisierten Medizin die Sensibilität für das Thema Schmerz gestiegen ist.

Das beste Rezept...

...um eine Chronifizierung von Schmerzen zu verhindern, ist, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Wenn Schmerzen unumgänglich sind, zum Beispiel im Rahmen einer Operation oder nach einem Unfall, muss möglichst früh mit einer adäquaten Behandlung begonnen werden.
 

Wir wissen, dass der grösste Risikofaktor für eine Chronifizierung von Schmerzen die Unterbehandlung im akuten Stadium darstellt.
 

Das heisst, je früher Schmerzen behandelt werden, desto kleiner ist das Risiko einer Chronifizierung. Die Schmerzen müssen aber auch mit den richtigen «Werkzeugen» behandelt werden. «Schmerz» wird nicht einfach nur mit «Medikament» und «viel Schmerz» mit «viel Medikament» behandelt, sondern die Diagnose der darunterliegenden Schmerzmechanismen muss korrekt gestellt werden.

Dies ist vielfach nicht einfach, weswegen ein niederschwelliger Einbezug von Experten im Zweifelsfall möglichst früh ins Auge gefasst werden sollte.

Häufig können mit gezielten schmerzmedizinischen Interventionen und einer korrekt ausbalancierten medikamentösen Behandlung die Konsequenzen einer inadäquaten Therapie, welche für Patienten nicht selten zum existenziellen Problem erwachsen, verhindert werden.

Ebenso gibt es mittlerweile auch gute Strategien, wie Therapien sinnvoll zu führen sind, wenn ein Schmerzleiden ursächlich nicht behandelt werden kann und das Ziel eine möglichst grosse Lebensqualität trotz Schmerz ist: die multimodale interdisziplinäre Schmerztherapie.

Auch dies setzt eine spezifische Expertise und Erfahrung der behandelnden Fachpersonen voraus.

Das Hauptproblem

Leider besteht immer noch eine grosse Lücke zwischen dem Wissen, wie eine effektive Schmerztherapie zu gestalten wäre, und der Realität, wie Schmerzpatienten häufig – zu häufig – behandelt werden. Die Gründe sind vielschichtig.

Eine Hauptproblematik sind die aktuell in der Schweiz fehlenden Möglichkeiten, eine umfassende Ausbildung für Angehörige von Gesundheitsberufen zum Thema Schmerz anzubieten.

Das Verständnis für das Thema ist unter Entscheidungsträgern, Politikern und Administratoren, aber auch unter Betreuern und Patienten zu wenig verbreitet. Dies gilt nicht nur für die Schweiz, sondern ist ein weltweites Phänomen.

«Global Year for Excellence in Pain Education»

Die Internationale Gesellschaft zum Studium des Schmerzes, welcher die Schweizerische Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (SGSS) angehört, hat deshalb dieses Jahr zum «Global Year for Excellence in Pain Education» ausgerufen.

Ziele sind eine bessere Schulung von Patienten im Verständnis und im Umgang mit ihren Schmerzen, eine bessere Ausbildung von Angehörigen von Gesundheitsberufen, die Schaffung von besserem Verständnis unter Entscheidungsträgern und Politikern sowie die Unterstützung von wissenschaftlicher Tätigkeit zum Thema «pain education».

Die SGSS möchte hierzu auch ihren Teil beitragen. Wir fördern die Weiterbildung von ärztlich Behandelnden und allen therapeutisch tätigen Fachleuten zum «SGSS Pain Specialist». Hierzu gehört ein 80-stündiger Kurs, welcher sämtliche Aspekte der Schmerzmedizin abdeckt. Unser Fokus hierbei ist die korrekte und kompetente Behandlung von Schmerzpatienten, um deren Leiden langfristig zu lindern.

Mit dieser Weiterbildung soll neben der Sensibilisierung medizinischer Fachpersonen auch das Vertrauen der Patienten gegenüber der Therapie aufgebaut werden.  

Mit dieser breit angelegten Kampagne, welche nun schon zum siebten Mal in der Schweiz stattfindet, soll in der vorliegenden Ausgabe das Bewusstsein zum Thema «Schmerz» geschärft werden.

Die verschiedenen interessanten Beiträge zeigen viele Facetten zum Thema Schmerz und haben zum Ziel, eine transparente Kommunikation zwischen Experten, Allgemeinmedizinern und Betroffenen zu fördern und so eine informative Plattform zu schaffen.