Gilt Ihr erster Griff am Morgen dem Handy? Ist Ihre letzte Sorge vor dem Einschlafen, ob Sie das Update am PC gemacht haben? Keine Sorge. Das bedeutet nicht, dass Sie internetsüchtig sind. Denn tatsächlich richten wir uns immer stärker auf diese Methoden der Information und neuen Arbeitsweisen aus. Verlieren Sie allerdings die Kontrolle darüber, ob Sie diese Handlungen zwingend vornehmen, dann bewegen Sie sich im Graubereich des Suchtverhaltens.

Onlinegames

Der Schweizer Fachverband Sucht beobachtet die Entwicklung wachsam. Dennoch gibt es keine zuverlässigen Statistiken. Befragte antworten tendenziell beschönigend.

Generalsekretärin Petra Baumberger geht von einem stark jugendspezifischen Phänomen aus. «Gewisse Onlinegames haben ein hohes Suchtpotential», stellt sie fest, «weil sie auf sozialen Plattformen einen Freundeskreis simulieren.» Das wirke gerade im Alter von 13 bis 15 anziehend, vor allem, weil online gratis und in zunehmend besserer Qualität gespielt werden kann.

Gewisse Onlinegames haben ein hohes Suchtpotential

Kommt dazu, dass etwa das populäre «World of Warcraft», weil weltweit genutzt, meist nachts gespielt wird. Schlafentzug, der bei Schülern und Lehrlingen bald zu einer Verschlechterung der Leistung führt. Eine der Gefahren der Zukunft erkennt Baumberger in der mobilen Nutzung: Das Game ist stets dabei. «Und durch die Liberalisierung des Geldspiels wird das Handy nun auch noch zum Casino.»

Problematische Nutzung oder Onlinesucht?

Surfer, die im Netz die Zeit vergessen, sind sich ihrer Sucht selten bewusst. Experten unterscheiden zwischen der «problematischen Nutzung» – was heute auf vier Prozent der Schweizer Bevölkerung zutrifft – und «Onlinesucht»: Etwa jeder 100. Schweizer ist betroffen und somit abhängig. Obschon einem heute hohe Internetpräsenz abverlangt wird, dürfe man die Verantwortung nicht allein auf die Gesellschaft abschieben, findet Baumberger. Eltern wiederum sollten den exzessiven Konsum ihrer Kinder nicht verharmlosen, auch in der Internetnutzung erzieherische Regeln aufstellen.

Wie stellt man also im Reality Check fest, dass die «Angewohnheit» nicht bereits Sucht ist? Durch den Kontrollverlust. Wenn die Internetnutzung den gesamten Tagesablauf bestimmt. Onlinesucht gehe auch oft mit sozialem Rückzug einher, sagt Baumberger weiter. Und wie lässt sich Internetsucht kurieren? Genau wie jede andere Sucht: Am Anfang muss der Betroffene das Problem selbst wahrhaben.

Die meisten Suchtberatungsstellen bieten bereits die Beratung für Onlinesucht an. Stationäre Therapiemöglichkeiten sind in der Schweiz noch selten. Petra Baumberger: «Nicht selten stellen Betroffene erst in der Therapie fest, dass ihre Sucht eigentlich Ventil für ein ganz anderes Problem war.»