Der Grund liegt nicht beim Einzelnen, sondern in der Gesellschaft. Es hat noch kein ernsthaftes Umdenken stattgefunden. Wir führen nach wie vor ein «monkey life». Wie sich die Affen von einem Ast zum nächsten schwingen, hetzen wir von einem Thema zum nächsten, ohne Halt zu finden. Nur fehlt uns die Beschwingtheit. Wir rennen verbissen, unspielerisch. Kann man da aussteigen? Der Einzelne vermag es nur bedingt allein. Es ist in erster Linie eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Es geht um das, was heute unter dem Stichwort Postwachstumsgesellschaft oder Postwachtstumsökonomie läuft. Sie setzt eine Umwertung der heutigen Werte voraus. Statt auf Karriere, Geld, Konkurrenz, Konsum und Wellness müssen wir mehr auf Sympathie, Begegnung, Achtsamkeit, Spielfreude und Leiden setzen. Eine solche Umwertung geht nur über die Krise. Die rollende Konsumgesellschaft vermag sich nicht selbst zu bremsen, sie muss durch das Scheitern gestoppt werden.

Welchen Sinn hat das Leben?

Dennoch ist der Einzelne aufgerufen, jetzt schon das Bestmögliche zu tun, um in seinem Leben Gegensteuer zu geben. Das bedeutet Burnoutprophylaxe. Die Frage des Lebenssinns muss gestellt werden. Wenn ich mit 80 zurückblicke, werde ich mit meinem heutigen Lebensstil zufrieden sein? Werde ich denken, dass ich bei mir war oder dass ich mich verpasst habe? Auch wenn die Gesellschaft als Ganzes in der Verantwortung steht, bleibt dem Einzelnen die Selbstverantwortung keineswegs erspart. Der Kern jeder individuellen Burnoutprophylaxe liegt in einer neuen Verantwortungsübernahme – für mich und die andern, für mein Leben und unser Miteinander. Auch in einer kranken Gesellschaft will ich gesund bleiben und beginne heute mit einer Neube-sinnung. Dies soll meine Impfung gegenüber der weiter grassierenden Burnoutepidemie sein.