«Ständiger Druck am Arbeitsplatz, Überstunden, Verfügbarkeit rund um die Uhr oder unregelmässige Arbeitszeiten, Stress wegen permanenter Umstrukturierungen oder fehlende Erfolgserlebnisse trotz hohem Leistungseinsatz – die Liste ist lang», erklärt Dr. med. Hanspeter Flury, Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Klinik Schützen in Rheinfelden. So verwundert es nicht, dass Burnout oft gut ausgebildete Angestellte des mittleren Kaders, in der Regel hochgeschätzte, anerkannte Leistungsträger trifft. «Entscheidend bei der Burnout-Erkrankung ist oftmals nicht die Arbeitsbelastung, sondern die geringe Anerkennung und Wertschätzung für die Anstrengungen. Zudem empfinden die Betroffenen ihre Aufgaben oft als sinnentleert und uninteressant», weiss Flury. Daneben spielen in vielen Fällen auch andere Belastungen, wie die aufwändige Betreuung von Kindern oder erkrankten Angehörigen, Beziehungsprobleme oder finanzielle Sorgen eine tragende Rolle bei der Entstehung eines Burnouts.

Gewisse Charaktereigenschaften begünstigen Burnout

Tatsächlich ist die Anfälligkeit, an einem Burnout zu erkranken, teilweise auch angeboren. Es gibt Menschen, bei denen das Stresshormonsystem robuster ist. Wer eine Schwäche der Stressregulation hat, bekommt leichter ein Burnout. Daneben beeinflussen auch Persönlichkeitsmerkmale die Entstehung eines Burnouts. «Dazu gehören Perfektionismus, hohe Ansprüche an die eigene Leistung, fehlende Flexibilität oder Schwierigkeiten Hilfe anzufordern», erklärt der Psychiater. Auch gesellschaftliche Ursachen werden bei der Entstehung eines Burnouts diskutiert. «Die Globalisierung, die Zunahme von Veränderungen und das generell beschleunigte Tempo in allen Bereichen des Lebens sind wesentliche Faktoren, die ein Burnout begünstigen können.»

Burnout vorbeugen

Als Hauptverursacher eines Burnouts werden in vielen Fällen der Arbeitsplatz und die sozialen Belastungen angeführt. Genau sie sind es aber auch, die hilfreich bei der Prävention, Früherfassung und Rehabilitation von Burnouts sind. «Insbesondere wenn eine Kultur gepflegt wird, in der Schwierigkeiten, Belastungen und individuelle Wünsche, Stärken und Schwächen nicht tabuisiert und ausgegrenzt werden, leistet sie einen wertvollen Beitrag zur Verhinderung von Burnout.»

«Die Betroffenenen empfinden ihre Aufgaben oft als sinnentlehrt und uninteressant.»

Mit einer solchen Einstellung werden nicht nur Burnouts verhindert, sondern es können auch Frühzeichen erfasst und ihnen entgegengewirkt werden. «Dabei hilft auch die Tatsache, dass ein Burnout gesellschaftlich akzeptierter ist als die meisten psychischen Krankheiten.» Ein Engagement für die Burnout-Prophylaxe zahlt sich auch für Arbeitgeber aus: Wenn Arbeitnehmende ihr seelisches Gleichgewicht dauerhaft bewahren und sich am Arbeitsplatz entfalten können, sind sie zufrieden und bringen die volle Leistung.