Die Zahl der Burnout-Diagnosen hat in den letzten Jahren merklich zugenommen. Viele Betroffene leiden unter psychosomatischen Erkrankungen, oft stellt sich am Schluss eine Depression ein. «Das berufliche Umfeld ist anspruchsvoller geworden», betont der Arbeitsmediziner Dieter Kissling. Längere Präsenzzeiten, mehr Verantwortung und ständige Erreichbarkeit können zu einer Abwärtsspirale führen, an deren Ende die totale psychische und körperliche Erschöpfung steht.

Symptome nicht verdrängen

Nicht nur Arbeitgeber fordern heute mehr von ihren Angestellten. Auch diese stellen vielfach immer höhere Ansprüche an sich selber. Man will im Beruf vorwärtskommen und Karriere machen. Dabei werden Warnsymptome oft verdrängt, wie etwa Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten oder eine verstärkte Krankheitsanfälligkeit. «In einem frühen Stadium haben Vorgesetzte gute Chancen, die verhängnisvolle Entwicklung zu stoppen», sagt Kissling. Viel besser sei aber, es gar nicht erst dazu kommen zu lassen. «Nicht zuletzt aufgrund steigender Fehlzeiten und hoher Kosten merken immer mehr Unternehmen, dass sie ihre Mitarbeitenden vor Überbelastung schützen müssen.»

Keine unrealistischen Erwartungen

Das Thema Burnout muss deshalb zu einem Teil des betrieblichen Arbeitsschutzes werden. Dazu gehören unter anderem realistische Zielsetzungen sowie flexible, sozialverträgliche und familienfreundliche Arbeitszeiten. Auch ein gutes Betriebsklima trägt dazu bei, dass sich die Mitarbeitenden an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. Sie können selber ihren Teil zur Gesundheitsförderung beitragen, indem sie zum Beispiel versuchen, Prioritäten zu setzen und ihr Zeitmanagement überprüfen. «Wer mit unrealistischen Erwartungen an die Arbeit geht, Probleme verschweigt und sich keine Entspannung gönnt, tut sich keinen Gefallen», warnt Kissling. Ein Burnout könne jeden treffen. «Unternehmen, aber auch Mitarbeitende müssen hier präventiv handeln und allfällige Symptome ernst nehmen.»