Da Depressionen Erkrankungen mit biologischen, psychologischen und sozialen Ursachen sind, stützt sich auch die Behandlung auf sogenannte bio-psycho-soziale Wirkfaktoren: Psychotherapie, Medikamente und soziale Massnahmen.

Die Zusammensetzung dieser Therapieelemente kann individuell sehr unterschiedlich sein, je nach Schweregrad und Dauer der Erkrankung sowie den persönlichen und medizinischen Voraussetzungen. Zu diesem Zweck existieren Leitlinien für die Behandlung, welche von der Schweizerischen Gesellschaft für Angst und Depression zusammen mit der Schweizerischen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie und unter der Schirmherrschaft der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie verfasst wurden. Für Burnout sind solche Behandlungsleitlinien in Arbeit und werden demnächst veröffentlicht, sie unterscheiden sich aber im Wesentlichen nicht von denjenigen für Depression.

Aufgrund von falscher Scham der Betroffenen sowie von Vorurteilen gegenüber diesen Erkrankungen ist die Anzahl von an sich behandlungsbedürftigen, aber aufgrund nicht gestellter Diagnosen nicht behandelter Patienten und Patientinnen gross.

Für die primäre Prävention sowohl von Depression also auch von Burnout gibt es wenige gut untersuchte und etablierte Massnahmen, abgesehen von allgemeingültigen Gesundheitstipps wie etwa genügend Schlaf, gesunde Ernährung, angemessene sportliche Aktivitäten und eine ausgewogene Life-Domain-Balance mit kompetentem Stressmanagement. Über die sogenannte sekundäre Prävention, das heisst um Rückfälle nach Abheilen einer durchgemachten Krankheitsepisode zu verhindern, liegen hingegen gute wissenschaftliche Studien vor. Diese empfehlen, grundsätzlich die erfolgreiche Therapie der akuten Behandlungsphase auch nach Abklingen der Symptome noch längere Zeit, das heisst Monate bis sogar Jahre, im Sinne einer Erhaltungstherapie weiterzuführen. In Studien und in der klinischen Praxis hat sich immer wieder bestätigt, dass das zu frühe Absetzen der Behandlung oft zu Rückfällen führt, welche dann immer schwieriger zu behandeln sind.

Psychische Krankheiten, besonders Depressionen, sind aber oft gut und wirksam behandelbar. Aufgrund von falscher Scham der Betroffenen sowie von Vorurteilen gegenüber diesen Erkrankungen ist die Anzahl von an sich behandlungsbedürftigen, aber aufgrund nicht gestellter Diagnosen nicht behandelter Patienten und Patientinnen gross. Bei Burnout besteht dieses Stigma weniger, auch wenn es sich in den meisten Fälle um Depressionen handelt. Daher ist Burnout eine Chance, um mehr Betroffene niederschwelliger einer wirksamen Therapie zuzuführen.

Ein grundsätzliches Problem bei Depressionen ist zudem, dass die Erkrankung Depression häufig nicht erkannt wird und etwa mit normalpsychologischen Phänomenen wie kurzzeitigen Phasen von Deprimiertheit, etwa am Montagmorgen, verwechselt wird. Auch ist es oft der Fall, dass körperliche Symptome von Depression wie etwa Schmerzen, Schlafstörungen, Appetitverlust oder Unwohlsein eine eigentliche diesen Symptomen zugrundeliegende Depression überdecken. Man spricht dann von «larvierter» Depression. Dadurch kann es oft zu langanhaltenden Zeitdauern kommen, während derer die richtige Diagnose nicht gestellt wird: Und auch hier gilt wie in der gesamten Medizin, dass die korrekte Diagnose die Basis für die korrekte Behandlung ist.

Die Fachartikel und Vorstellungen von diversen Behandlungskonzepten in dieser Kampagne geben eine gute Übersicht, und wenn einige von Depression oder Burnout Betroffene aufgrund der Lektüre erfolgreich behandelt werden, hat sich der Zweck der Kampagne bereits erfüllt.

Depressionen sind unglaublich belastende schwere, oft lebensbedrohliche Krankheiten, welche den Menschen in seiner bio-psycho-sozialen Gesamtheit betreffen und welche es mit allen der modernen Medizin zur Verfügung stehenden Mitteln zu behandeln gilt.

Literaturhinweis:

  • 1 Holsboer-Trachsler E., Hättenschwiler J., Beck J., Brand S., Hemmeter U., Keck M. E., Rennhard S., Hatzinger M., Merlo M., Bondolfi G., Preisig M., Seifritz E., Attinger Andreoli Y., Gehret A., Bielinski D.
  • Die somatische Behandlung der unipolaren depressiven Störungen 1. und 2. Teil. Schweizerisches Medizin-Forum 2010;10(46):802-809 und 2010;10(47):818-822