Was ist der Unterschied zwischen Depression und Burnout?
Depression manifestiert sich in einer Reihe von Symptomen: Betroffen sind die Stimmung, der Antrieb, die körperlichen Funktionen. Burnout ist gekennzeichnet durch das Gefühl der Erschöpfung, die sich häufig im sogenannten neurasthenischen Syndrom äussert: Man fühlt sich schwach und müde einerseits, man wird reizbar und ungeduldig andererseits. Dazu kommen das subjektive Gefühl der verminderten Leistungsfähigkeit und das verminderte Arbeitsengagement. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass Burnout ausschliesslich im Zusammenhang mit der Arbeit bzw. dem Arbeitsstress entsteht, es handelt sich also um eine kontextuelle Störung, während der Depression ein solcher Bezug fehlt. Wenn sich aber ein Burnout intensiviert, kann es in eine voll ausgeprägte Depression übergehen.

Welche anderen Ereignisse führen zu Depressionen?
Verluste und zwar in jeder Lebensphase. Nun bringt es das Alter mit sich, dass sich solche Verluste häufen: Verlust der körperlichen Kraft und eventuell der Gesundheit, Aufgabe der Erwerbstätigkeit, Verlust des Partners.

Wie häufig werden Depressionen nicht erkannt und deshalb falsch behandelt?
Zunächst muss der oder die Betroffene eine Depression selbst erkennen. Das passiert nicht immer oder nicht immer schnell genug. Zudem fühlen sich viele Depressive nicht primär traurig, sondern leiden unter körperlichen Symptomen wie Schlaflosigkeit oder Energielosigkeit. Eine grossangelegte Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der Patienten erst nach drei Monaten einen Arzt aufsuchen und dass bei einem Drittel der Arzt erst nach mehr als zwei weiteren Monaten die richtige Diagnose stellt.

Welche Folgen kann das haben?
Die Depression bleibt länger als nötig unbehandelt. Der Patient leidet länger und ist in Arbeitswelt, Beziehungen oder Freizeitgestaltung länger beeinträchtigt. Bleibt die Depression unbehandelt, steigt die Tendenz, dass sie chronisch wird.

Sie leiten das Zentrum für die Psyche auf dem Gesundheitsschiff. Ist es besser, Depression oder Burnout fernab vom normalen Alltag anzugehen?
Nur unter besonderen Umständen ist eine stationäre oder halbstationäre Behandlung indiziert; in den meisten Fällen erfolgt die Therapie ambulant und in aller Regel dauert sie länger als ein paar Tage. Auf dem Gesundheitsschiff kann die Problematik besprochen, die Diagnose gestellt, allenfalls die Therapie  empfohlen oder überprüft bzw. eine Zweitmeinung eingeholt werden.