Die Zunahme von chronischen, nicht übertragbaren Krankheiten wie Demenz gilt als eine der zentralen Herausforderung für das Gesundheitssystem der Schweiz.

Demenz gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Alter und ist nach Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs die dritthäufigste Todesursache.

Ist diese Sorge berechtigt?

Teilweise, denn rund ein Drittel der Erkrankungen liesse sich durch einen gesunden Lebensstil vermeiden.


Wir wissen: «Was gut fürs Herz ist, ist auch gut für die Hirnleistung.» Nur der Hälfte der Bevölkerung ist aber bekannt, dass sie aktiv etwas tun können, um sich vor der Krankheit zu schützen.
 

Erste Anzeichen der Krankheit sind oft erst Jahre nach dem Krankheitsbeginn erkennbar. Demenzerkrankungen haben somit eine lange Vorlaufzeit, die es zu nutzen gilt durch: regelmässige Bewegung, gesunde Ernährung und Verzicht auf Tabak.

Diese Massnahmen zeigen vor allem in der mittleren Lebensphase eine hohe Wirkung, sie lohnen sich jedoch auch im hohen Alter. Ältere Menschen können ihr Erkrankungsrisiko mindern, zum Beispiel durch das Erlernen einer neuen Sprache oder durch das Pflegen sozialer Kontakte.

In der Schweiz leben schätzungsweise 144000 Menschen mit der Krankheit. Jährlich kommen rund 27000 Neuerkrankungen hinzu. Das Risiko steigt im hohen Alter. Die Weltgesundheitsorganisation erachtet Demenz als häufigsten Grund für Pflegebedürftigkeit und Behinderung im Alter.

In der Schweiz ist bei den über 85-Jährigen jeder fünfte Mann und jede dritte Frau von der Krankheit betroffen, während es bei den über 65-Jährigen etwa jede zwölfte Person ist.
 


Aufgrund der demografischen Entwicklung werden künftig immer mehr Menschen an Demenz erkranken: Im 2040 sind rund 300000 Demenzkranke zu erwarten.

 

Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die Langzeitpflege und deren Kosten. Über 95 Prozent der durch die Krankheit verursachten Kosten sind Betreuungs- und Pflegekosten. Dazu gehören jene der Langzeitpflege und -betreuung in Heimen sowie solche der Betreuung und Pflege durch nahestehende Bezugspersonen.

Neben den Erkrankten betrifft die Krankheit im besonderen Masse auch das soziale Umfeld. In der Schweiz lebt gut die Hälfte der Menschen mit Demenz zu Hause, unterstützt von Angehörigen und nahestehenden Personen.

Begleitsymptome der Krankheit wie der Verlust an Sprache, Erkennungsstörungen oder die abnehmende Fähigkeit, eigenständig zu planen und zu handeln, schränken eine selbstbestimmte Lebensführung stark ein. Menschen mit Demenz zu betreuen und zu begleiten, bedeutet eine Anwesenheit rund um die Uhr.

Angehörige von Menschen mit Demenz müssen ihren Alltag neu gestalten und sich Raum schaffen für eigene Bedürfnisse. Dadurch können sie sich vor Erschöpfung schützen und auch familiäre Beziehungen aufrechterhalten. Bei starker Pflegebedürftigkeit ist jedoch ein Übertritt in ein Heim meist unvermeidlich.

Ist Demenz nun eine Volkskrankheit?

Eine Volkskrankheit zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine hohe gesundheitspolitische Bedeutung hat und in der Bevölkerung als Thema präsent ist. In der Schweiz haben Bund und Kantone Demenz als solche erkannt und 2013 die Nationale Demenzstrategie verabschiedet.

Das übergeordnete Ziel der Strategie ist, dass Menschen mit Demenz ein gutes Leben – ohne Tabu, Angst und Isolation – führen können und eine ihren Bedürfnissen angepasste Betreuung und Pflege erhalten.

Die Strategie hat viele Impulse und Aktivitäten ausgelöst. Die Lebensrealitäten und Herausforderungen, mit denen sich die von Demenz Betroffenen täglich konfrontiert sehen, sind sichtbarer geworden.

Wir sind zuversichtlich, dass dies das Verständnis der Krankheit fördert, die Betroffenen in der Gesellschaft besser akzeptiert werden und Menschen mit Demenz künftig vermehrt am sozialen Leben teilnehmen können.