Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, beträgt rund 15 Prozent, wobei Frauen fast doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. «Die Symptome von Depressionen können sehr unterschiedlich sein. In der Regel fühlen sich Betroffene stimmungsmässig niedergeschlagen und verspüren wenig Kraft und Energie, sodass ihr Antrieb vermindert ist.

Depressionen können unterschiedlich verlaufen, wobei depressive Phasen in der Regel gut behandelbar sind und meistens innerhalb von einigen Wochen oder Monaten wieder abklingen

Freud- und Lustlosigkeit kommen oft dazu, ebenso die Unfähigkeit, Dinge, die bisher als angenehm empfunden wurden, zu geniessen», erläutert der Facharzt Joe Hättenschwiler. Weitere wichtige Symptome bei Depressionen sind: Gedankenkreisen, Grübeln, Schuldgefühle sowie teils konkrete, teils diffuse Ängste. Fast immer klagen Betroffene über Schlafstörungen und oft über Veränderungen des Appetits. Nicht selten kommt es zu Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen. «Betroffene ziehen sich häufig zurück, nehmen weniger an sozialen Aktivitäten teil und die Leistungsfähigkeit bei der Arbeit kann vermindert sein», sagt Hättenschwiler.

Unterschiedlicher Verlauf

Depressionen können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Dazu können einschneidende und belastende Lebensereignisse zählen, aber auch anhaltende Alltagsbelastungen, Stress- oder Konfliktsituationen. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle, ebenso die persönliche Entwicklungsgeschichte.

Depressionen können unterschiedlich verlaufen, wobei depressive Phasen in der Regel gut behandelbar sind und meistens innerhalb von einigen Wochen oder Monaten wieder abklingen. Allerdings verlaufen rund 15 Prozent aller Depressionen chronisch. «Wegen des relativ hohen Risikos im Verlauf des Lebens erneut eine depressive Episode zu erleiden, kommt der Rückfallprophylaxe deshalb besondere Bedeutung zu», betont Hättenschwiler.

Verschiedene Therapien

Grundsätzlich können Depressionen psychotherapeutisch oder mit Medikamenten behandelt werden. Auch die Möglichkeit, beide Behandlungsverfahren zu kombinieren, wird genutzt, besonders, wenn es sich um mittelschwere bis schwere Formen einer Depression handelt. Psychotherapeutisch geht es darum, bei jedem Betroffenen individuell herauszufinden, welche Faktoren an der Entstehung der Depression beteiligt sein könnten.

Darauf aufbauend, wird in der Folge ein individueller Behandlungsplan erstellt. Häufig geht es darum zu lernen, wie Konfliktsituationen gelöst und die Anforderungen des Alltags besser bewältigt werden können. «Dabei kommt der Balance zwischen Belastung und Entlastung eine besondere Bedeutung zu. Verhaltens- und Denkmuster, die zu einer Überforderung führen, werden in der Psychotherapie aufgedeckt und nach Möglichkeit verändert», erklärt Hättenschwiler. Bewährt bei der Behandlung von Depressionen hätten sich auch die Ermutigung zur Aufnahme sozialer Kontakte sowie sportliche Aktivitäten.

Gleichsam wie Betroffene sollten auch Angehörige in die Behandlung mit einbezogen und über die Erkrankung und deren Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Häufig besteht bei den Angehörigen eine grosse Unsicherheit, wie sie mit den Betroffenen umgehen sollen: Wie soll der Erkrankte unterstützt, wann soll er gefordert werden? Dies, so Hättenschwiler, lasse sich im gemeinsamen Gespräch klären. «Abschliessend lässt sich sagen, dass sowohl eine spezifische Psychotherapie als auch eine medikamentöse antidepressive Behandlung helfen können, Rückfälle zu verhüten. Oft ist jedoch eine Kombination dieser Verfahren am wirksamsten.»