«Menschen mit einem variablen Immundefekt-Syndrom (englisch Common Variable Immunodeficiency, CVID) leiden oft an schweren Infekten, vor allem der Atmungsorgane, welche trotz Antibiotika schlecht heilen. Es treten Verdauungsstörungen, Blutmangel und Gelenkentzündungen auf.» So beschreibt Dr. Hauser die wichtigsten Symptome und das Leiden rund um die häufigste primäre Immunschwäche. Dr. med. Hauser ist Facharzt für Allergologie und Immunologie am Immunologie-Zentrum in Zürich (IZZ). Der Austausch der Betroffenen mit den Fachleuten sowie das ganzheitliche Denken sind ihm bei komplexen Erkrankungen wie Immundefekten sehr wichtig.

Dr. Hauser erklärt in diesem Zusammenhang: «Das Immunsystem tritt nicht an einem Ort im Körper auf und ist nicht auf ein Organ beschränkt. Die individuelle Krankheit lässt sich daher nicht direkt benennen, sondern vorerst einer Krankheitsgruppe zuordnen. Um die Ursachen und Zeichen des Krankheitsbildes zu ergründen, braucht es die vertiefte Auseinandersetzung.»

Wann liegt eine Immunschwäche vor?

Patienten, die sich oft schwach fühlen und häufig über langwierige Beschwerden klagen, vermuten oft, dass eine Immunschwäche die Ursache sein könnte. Was also sind tatsächliche Warnsignale, die eine intensive Abklärung durch einen Facharzt dringend notwendig machen?  Dr. Hauser  verweist auf eine anerkannte Checkliste der European Society for Immunodeficiencies (ESID). Hierin werden unter anderem folgende Punkte genannt: vier oder mehr Infektionskrankheiten im Jahr, welche eine Behandlung mit Antibiotika erfordern; häufige Rückfälle, schwere Infektionen durch Bakterien, mehrere Lungenentzündungen. Darüber hinaus sollte unbedingt eine intensivere Untersuchung erfolgen, wenn bei einem Blutsverwandten ein Immundefekt diagnostiziert wurde.

Welche Therapieformen gibt es?

Im Falle einer eindeutigen Diagnose des variablen Immundefekt-Syndroms oder anderer Immundefekte besteht die Behandlung vor allem darin, das fehlende Immunglobulin zu ersetzen, mit dem Ziel Infektionskrankheiten zu verhindern. Dabei kann Immunglobulin auf zwei unterschiedlichen Wegen zugeführt werden. Die intravenöse Behandlung (IVIG), bei der die Lösung in eine Vene am Arm fliesst, wird meistens unter ärztlicher Aufsicht im Zentrum oder einer Tagesklinik durchgeführt und muss alle drei bis fünf Wochen wiederholt werden. Die subkutane Alternative kann der Patient, nach einer eingehenden Schulung, einmal pro Woche selbst ausführen. Dabei wird Immunglobulin von einer kleinen Pumpe über eine Nadel unter die Haut ins Fettgewebe gefördert.

Impfungen bei CVID

Folgender Hinweis ist Dr. Hauser noch wichtig: Bei Patienten mit CVID ist sowohl die Schutzwirkung vermindert als auch die Schutzdauer verkürzt. Dennoch sollten sie sich zum Beispiel gegen Grippe, Gelbsucht oder Lungenentzündung impfen lassen. Ausgeschlossen sind Impfungen gegen lebende beziehungsweise abgeschwächte Krankheitserreger, wie sie unter anderem zum Schutz vor Masern, Mumps, Röteln, Gelbfieber, Windpocken  angewendet werden.

Abschliessend betont der Immunologe: «Betroffene können dank guter Therapiemöglichkeiten ein unabhängiges und aktives Leben führen.» Er empfiehlt jedoch gleichzeitig, unnötige Ansteckungsgefahren zu vermeiden und auf eine ausgewogene Ernährung zu achten.