Mit über 90 Prozent aller Fälle tritt Diabetes mellitus Typ 2 weit häufige auf als der Diabetes Typ 1. Hier ist die Ursache nicht nur eine zu tiefe Insulinproduktion. Hinzu kommt eine sogenannte Insulinresistenz – die Zellen werden ­gegenüber Insulin zunehmend unempfindlich. Zu Beginn versucht die Bauchspeicheldrüse, die verminderte Wirkung des Insulins auszugleichen, indem sie mehr produziert. Diese Mehrbelastung hat aber längerfristig zur Folge, dass sie zunehmend erschöpft und sich ihr Insulinausstoss vermindert. Das kann so weit gehen, dass Betroffene ähnlich wie beim Typ-1-Diabetes auf Insulingaben angewiesen sind. Die Entwicklung des Typ-2-Diabetes wird begünstigt durch Erbfaktoren, Übergewicht und Bewegungsmangel. Er tritt in den meisten Fällen erst ab einem Lebensalter von über 40 Jahren auf, man findet ihn aber auch zunehmend bei jüngeren Menschen mit starkem Übergewicht.

Späte Diagnose
Diabetes Typ 2 entwickelt sich schleichend und bleibt lange unerkannt. Durchschnittlich dauert es fünf bis sogar sieben Jahre nach Beginn der Krankheit, bis diese auch diagnostiziert wird. Die Dunkelziffer der Diabeteskranken ist also um einiges höher. Häufig wird die Diagnose erst dann gestellt, wenn erste Komplikationen der Erkrankung wie schlecht heilende Wunden oder Sehstörungen auftreten. Kommt es aber längerfristig nicht zu einer effektiven Behandlung, können ernsthafte Gesundheitsprobleme entstehen. Der hohe Zuckerspiegel schädigt die Gefässe, was unter anderem das Risiko eines Hirnschlags erhöht und Herz-Kreislauf-Krankheiten zur Folge haben kann. Häufig zu beobachten sind zudem Nierenschäden sowie Netzhautablösung im Auge. Die Gefahr zu erblinden ist bei Diabetikern rund 20 Mal höher als bei gesunden Menschen.

Lebensstil ändern
Rund 85 Prozent der Diabetespatienten sind übergewichtig – offenbar spielt das Gewicht in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Fachleute raten deshalb, wenn immer möglich Übergewicht zu vermeiden beziehungsweise die Kalorienzufuhr einschränken, wenn man zu viele Kilos auf die Waage bringt. Bereits eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent kann das Diabetesrisiko deutlich senken. Ganz wichtig ist auch genügend Bewegung. Dies nicht nur deshalb, weil damit Kalorien verbrannt werden, sondern auch, weil Sport beziehungsweise Bewegung über den Hormonhaushalt die Insulinproduktion anregt, sodass der Zuckertransport zu den Zellen besser abläuft. Wer also seinen Lebensstil ändert, senkt nicht nur das Risiko, überhaupt zu erkranken, sondern kann auch Folgeerkrankungen verhindern oder zumindest dazu beitragen, dass diese weniger ausgeprägt auftreten.


 


 

Fact
Diabetes
 
Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die sich in erhöhten Blutzuckerwerten äussert. Zu den akuten Beschwerden gehören Durst, Hunger, vermehrtes Wasserlassen, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Ein unbehandelter Diabetes kann längerfristig zu schweren Komplikationen führen, beispielsweise zu einem Herzinfarkt, Nierenerkrankungen und einer Erblindung. Die Ursache liegt in einem ungenügenden Ansprechen auf Insulin oder einer unzureichenden Sekretion des Bauchspeicheldrüsenhormons, das für die Aufnahme von Glucose in die Zellen verantwortlich ist. Ein Diabetes ist im Wesentlichen eine Zivilisationskrankheit mit einer erblichen Komponente, deren Entstehung von einer sesshaften und ungesunden Lebensweise begünstigt wird.
 
MARIANNE STEIGER
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