Diabetes kann die Augen auf unterschiedliche Weise schädigen. Eine der gefährlichsten Folgen ist die diabetische Retinopathie, eine Erkrankung der Netzhaut. Sie kann im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Die Zürcher Augenärztin Dr. Corina Röscheisen erklärt, dass der Blutzucker und der Blutdruck so gut wie möglich eingestellt werden müssen, um die Schädigung der Augen in den Griff zu bekommen. Diabetiker sollten ausserdem auf das Rauchen verzichten, weil es auch in den Augen eine schlechte Durchblutung verursacht. Es gebe allerdings seltene Fälle, sagt Dr. Röscheisen, wo die Blutzuckerwerte in Ordnung seien, die Retinopathie jedoch trotzdem fortschreitet. Um so notwendiger sei es, die Augen auch ohne Beschwerden regelmässig kontrollieren zu lassen, zumal die diabetische Retinopathie im Frühstadium oft keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden wie zum Beispiel Kontraststörungen, Farbsehstörungen und Dunkeladaptationsstörungen zur Folge hat. Sobald die Retinopathie das Zentrum der Netzhaut (Makula) erreicht, wo sich die Stelle des schärfsten Sehens befindet, wird eine Sehverschlechterung bemerkbar. Spätestens dann sollten sich Diabetes-Patienten beim Augenarzt melden.

Augenprobleme sind keine Altersfrage
Dr. Röscheisen sieht in ihrer Praxis beide Diabetes-Typen. Die Patienten mit  Typ 2 Diabetes sind meist relativ jung und sehr auf Vorbeugung bedacht weil sie ihre Gesundheit noch viele Jahre erhalten wollen, und sie sind gut informiert, auch über die Gefahr einer Netzhaut-Schädigung. Ältere Patienten des Typs II schreiben den Verlust von Sehkraft häufig ihrem Alter zu, werden jedoch vom Hausarzt oder Internisten einer Augenarztpraxis zugewiesen. Ausser der Retinopathie kann Diabetes noch andere Auswirkungen auf die Augen haben, etwa ein früheres Auftreten des grauen Stars (Linsentrübung, Cataract), der aber auch bei Diabetikern problemlos operativ entfernt werden kann.

Lasertherapien schaffen Abhilfe
Die Augenheilkunde unterscheidet die nicht-proliferative Retinopathie ohne Blutgefässneubildungen und die proliferative Form. Hier ist die Netzhaut so schwach durchblutet, dass sich neue, instabile Blutgefässe bilden. Früher wurde therapeutisch nur die Lasertherapie angewendet, die gezielt einzelne Netzhautareale zerstört, um die Durchblutung der restlichen Netzhaut zu verbessern. Seit einigen Jahren stehen als weitere Therapiemöglichkeit Injektionen mit proliferationshemmenden Medikamenten zur Verfügung. Je nach Fall kann zusätzlich eine Lasertherapie erfolgen.

Kontrolle vermeiden Schlimmes
In den letzten Jahren musste die Zürcher Augenärztin kaum mehr Diabetes-Patienten behandeln, deren Retinopathie zu spät entdeckt wurde. Oft bliebe dann allenfalls nur noch eine Operation, um die Netzhaut zu retten. «Aber diese Massnahmen sind selten geworden», beruhigt  Röscheisen. «Hausärzte und Internisten überweisen Diabetes-Patieten sehr rasch an Augenärzte», erklärt sie. Dies sei sehr wichtig, da man bei der Erstdiagnose meist nicht weiss, wie lange der Patient schon an Diabetes erkrankt ist und Dauer und Schwere der Erkrankung einen wesentlichen Einfluss auf das Ausmass der Retinopathie haben. Dank regelmässigen Kontrollen kann das Schlimmste vermieden werden. Je schneller die Diagnose erfolgt, desto erfolgversprechender ist die Behandlung.