Weil der Mensch aufrecht geht, sind die Venen in den Beinen einer enormen Belastung ausgesetzt. Die Natur hat zwar mit eingebauten «Einbahnventilen», den Venenklappen, vorgesorgt: Diese verhindern, dass das Blut in die Füsse absackt.

«Bei einer Venenschwäche werden diese Klappen aber schnell undicht und belasten durch Rückfluss in die verkehrte Richtung das Venensystem», erklärt Dr. med. Fiorenzo Angehrn, FMH für Chirurgie und Venenleiden SGP. Häufig liegt eine genetische Veranlagung vor, aber auch Bewegungsmangel, Berufe in vorwiegend sitzender oder stehender Position, hohes Lebensalter, weibliche Sexualhormone, Schwangerschaften und Übergewicht sind Risikofaktoren und können als Auslöser bei der Entstehung von Krampfadern (Varizen) eine Rolle spielen.

Diese sind laut Angehrn mittlerweile zu einer Zivilisationskrankheit geworden. Rund 15 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen sind in der Schweiz betroffen. «Venenleiden verursachen mehr Arbeitsausfälle als ein Raucherbein», sagt der Mediziner, und auch der volkswirtschaftliche Schaden sei immens. «Folgeerkrankungen unbehandelter Krampfadern führen in schweren Fällen zur Invalidität, zu einem so genannten Thrombose-Bein oder gar zum Tod durch eine Lungenembolie.»

Risikofaktor Schwangerschaft

Schwangerschaften begünstigen bei entsprechender Veranlagung das Auftreten von Krampfadern: Zum einen durch den veränderten Hormonhaushalt der werdenden Mutter, zum anderen entsteht durch das Baby ein erhöhter Druck auf die Beckenvene und das Blutvolumen vergrössert sich. Frauen, die vor der Schwangerschaft die Anti-Baby-Pille eingenommen haben, tragen ein höheres Risiko für Krampfadern.

Anfänglich entstehen netzförmige, kaum sichtbare Venen, später fingerdicke, prall gefüllte und dunkelbläulich verfärbte Venen. Bleischwere Waden und nächtliche Wadenkrämpfe können erste Symptome sein. «Krampfadern, die erstmals während einer Schwangerschaft auftreten, könnten sich jedoch nachher wieder zurückbilden», erklärt Angehrn.

«Wer bereits vor der Schwangerschaft unter Krampfadern leidet, sollte auf jeden Fall den Gynäkologen darüber informieren, denn es besteht die Gefahr, dass diese sich verschlechtern», so Angehrn. Zur Vorbeugung rät der Mediziner allen Frauen, in der Schwangerschaft medizinische Kompressionsstrümpfe zu tragen. Während der Schwangerschaft ­sollte auf andere therapeutische Massnahmen wie Verödung oder Operation verzichtet werden.