Frau Tschanz, Sie engagieren sich seit Jahren im Kampf gegen diese Krankheit. Was ist Ihre persönliche Motivation dafür?
Erfahrungen im engsten familiären Umfeld gaben vor zehn Jahren den Ausschlag, mich für die Krebsprävention zu engagieren.

Warum denken Sie, dass die Aufklärung zur Brustkrebs-Früherkennung mehr Öffentlichkeit braucht?
Es ist ganz wichtig, dass sich Frauen bewusst werden, wie entscheidend Vorsorgeuntersuchungen sind. Denn Früherkennung rettet Leben, Früherkennung verhindert meist grosse Eingriffe und die Therapien sind heute so zahlreich und gut, dass eine Diagnose «Brustkrebs» kein Todesurteil mehr ist.

Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto schonungsvoller und effizienter kann er behandelt werden. Das kann man gar nicht genug in die Öffentlichkeit tragen. Die Statistiken zeigen es auf: Dank wirkungsvollen Präventionskampagnen ist zwar die Anzahl der von Brustkrebs Betroffenen nicht zurückgegangen, die Überlebensraten aber sind gewaltig gestiegen.

Heute sind Sie Botschafterin des jährlichen Pink ­Ribbon Charity Walks, eines Solidaritätslaufs zur Sensibilisierung für die ­Früherkennung von Brustkrebs, zugunsten der Krebsliga Schweiz. Welche ­Bedeutung hat diese Kampagne für Sie ­persönlich und für die ­Bevölkerung?
Als Botschafterin des Pink Ribbon Charity Walk denke ich stets auch an die Gründerin der «Rosa Schleife», die unvergessene Evelyne Lauder. Sie hatte mir damals in New York voll Begeisterung von ihrer Idee erzählt, mittels einer rosa Schleife eine Kampagne für die Brustkrebsprävention zu lancieren. Mit ihr zusammen stand ich im Warenhaus «Bloomingdaleʹs» und habe rosa Schleifen verteilt. Sie setzte sich unermüdlich für die weltweite Brustkrebsprävention ein, bis sie letztes Jahr an Krebs starb.

Es ist eine Freude mitzuerleben, wie aus einem kleinen Lauf von knapp 300 Frauen vor fünf Jahren ein Gross–Event geworden ist, der allein letztes Jahr über 2500 Menschen mobilisiert hat. Jede einzelne Läuferin und jeder Läufer tragen mit dem rosa T-Shirt die Botschaft zu den Menschen, machen Betroffenen Mut. Es ist auch wunderbar, wie sich die Spendensumme an die Krebsliga gesteigert hat. Allein letztes Jahr konnte ein Scheck von 80 000 Franken übergeben werden. In der Forschung und in der Prävention zählt jeder Franken.

Welche Fortschritte wurden in den letzten Jahren in der Brustkrebs-Früherkennung erreicht?
Mittlerweile gibt es spezielle Kompetenzzentren für die Behandlung von Brustkrebs und in einigen Kantonen bereits das Monitoring, wo Frauen zur kostenlosen Mammografie eingeladen werden. Die Öffentlichkeit ist sensibilisierter geworden, und die Medien haben sich verstärkt des Themas angenommen.

Kürzlich geriet die Schauspielerin Angelina Jolie in die Schlagzeilen, weil sie sich ihre beiden Brüste vorsorglich amputieren liess. Die Ärzte hatten ihr eine 87-prozentige ­Wahrscheinlichkeit attestiert, irgendwann in ihrem Leben an Brustkrebs zu erkranken. Was halten Sie von diesem persönlichen Weg der Prävention?
Es hat mich im ersten Moment schockiert, und dennoch habe ich grossen Respekt vor persönlichen Entscheiden. Nach ihrem Gentest hat sie mit Mut und Entschlusskraft das unternommen, was für sie das Richtige war. Die Resonanz war verständlicherweise zwiespältig, aber ich denke, dass gar niemand das Recht hat, einen solchen radikalen Schritt zu beurteilen.