Psychische Erkrankungen werden zwar weiterhin stigmatisiert, obwohl in den vergangenen Jahren eine Tendenz zu mehr Offenheit zu beobachten ist: Depressionen werden häufiger thematisiert.

Trotzdem fällt es vielen Patienten weiterhin schwerer, über ihre Depression zu sprechen als über eine körperliche Erkrankung. Viele Betroffene versuchen auch, ihre Krankheit zu verheimlichen, und spielen ihrem Umfeld etwas vor. Dieses realisiert aber in der Regel relativ rasch, dass mit den Betroffenen etwas nicht stimmt.

Nicht zum Arzt

Fatalerweise verhindert die soziale Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen oft eine frühzeitige Diagnose und Therapie. Aufgrund der negativen Attribute, die mit psychischen Erkrankungen verbunden werden, gehen viele Betroffene nicht oder erst spät zum Arzt, um die Diagnose «psychisch krank» zu vermeiden.

Obwohl Depressionen heute sehr gut behandelbar sind, erhalten laut Weltgesundheitsorganisation WHO weniger als 25 Prozent aller Betroffenen eine adäquate Behandlung.

Über die Hälfte aller Depressionen bleibt trotz Arztbesuch unerkannt. Häufig werden körperliche Symptome als Ersatz für psychische Beschwerden geschildert: Die Patienten klagen nicht über depressive Verstimmungen, sondern über Beschwerden, die zunächst auf eine körperliche Ursache oder Erkrankung hinzudeuten scheinen.

Vielfach verlangen depressive Patienten vom Hausarzt zum Beispiel nur Medikamente gegen ihre Kopf- oder Rückenbeschwerden oder gegen Schlafstörungen.

Mehrere Therapieansätze

Spätestens wenn ein Patient beginnt, sich mit dem Thema Suizid auseinanderzusetzen, besteht höchste Gefahr. Solche Menschen benötigen sofortige professionelle Hilfe. Die Vorstellung, man könne jemandem, der an einer Depression leidet, allein mit gutem Zureden helfen, ist gefährlich. Depressive mit Selbstmordgedanken müssen unter Umständen stationär in einer Klinik behandelt werden.

Eine klinische Depression lässt sich heute mit mehreren Methoden therapieren. Antidepressiva helfen, weil bestimme Botenstoffe im Gehirn bei Depressiven aus dem Gleichgewicht geraten.

Mit verschiedenen pharmakologischen Methoden lässt sich die gestörte Balance zumindest teilweise wiederherstellen. Dazu müssen über einen langen Zeitraum hinweg regelmässig Medikamente eingenommen werden. Parallel dazu werden depressive Patienten in der Regel psychotherapeutisch behandelt.