Welche Altersgruppe, Frau Kuhn, ist am meisten von Urininkontinenz betroffen?

Inkontinenz nimmt mit dem Alter zu, ist aber keineswegs eine Erkrankung, die nur alte Leute betrifft. So können auch Frauen nach Geburten oder Unfällen und bei Erkrankungen des Nervensystems bereits in jungen Jahren davon betroffen sein.

Wie entsteht eine Blaseninkontinenz?

Die Urininkontinenz wird durch Schwangerschaften und Geburten begünstigt. Aber auch Alterungsprozesse am Beckenboden spielen hier eine Rolle. Genetische Faktoren machen je nach Studien bis zu 40 Prozent aus, und Frauen mit Bindegewebsschwäche sind häufiger betroffen.

Sind Frauen und Männer gleichermassen gefährdet?

Frauen sind viermal häufiger von Urininkontinenz betroffen. Das hängt mit den anatomischen Gegebenheiten zusammen. Bei Frauen spielt häufig eine Beckenbodenschwäche eine Rolle, bei Männern sind es Prostataprobleme.

Was kann man präventiv dagegen unternehmen?

Es ist wichtig, Übergewicht zu vermeiden, Stuhlunregelmässigkeiten zu beheben und für einen gesunden Beckenboden zu sorgen. Hier können präventiv Pilates, Yoga und Beckenbodenübungen helfen, dem altersbedingten Muskelschwund vorzubeugen.

Weshalb ist Blaseninkontinenz immer noch ein Tabuthema?

Nur ganz kleine Kinder dürfen sich in die Hose machen, bei älteren Leuten wird das zu einem peinlichen Problem, das die Intimsphäre betrifft und über das man nicht gerne redet. Angst vor Geruch und sichtbaren Flecken kommt noch dazu, sodass dieses Problem als peinlich erachtet wird.

Gibt es anonyme Anlaufstellen für Betroffene?

Ja, die Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche (SGfB) hat es sich zum Ziel gesetzt, Betroffene und Familienangehörige sowie andere interessierte Personen über Vorbeugung, Abklärung und Behandlungsmöglichkeiten in allen die Blasenschwäche betreffenden Fragen unabhängig zu informieren und zu beraten.

Mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit will die Gesellschaft auch in diesem Jahr in Form von verschiedenen Publikums-Veranstaltungen dazu beitragen, die Blasenschwäche zu enttabuisieren, die bestehenden Hemmschwellen abzubauen und vor allem die Betroffenen dazu zu motivieren, ihre Scham zu überwinden und offen mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin über ihre Probleme zu sprechen.

Nur so kann die Ursache ihrer Blasenschwäche geklärt und eine gezielte Therapie eingeleitet werden.