Frau Roffler, welches sind die häufigsten Ursachen von Rückenschmerzen?

85 Prozent der Rückenschmerzen sind sogenannte unspezifische Rückenschmerzen, die sich keiner genauen Ursache zuordnen lassen. In der Physiowelt sprechen wir von muskulären Dysbalancen.

Es kann sich dabei um schwache, stark belastete oder zu kurze Muskeln handeln, die im Verhältnis zueinander im Ungleichgewicht stehen. Mangelnde Bewegung begünstigt dies.

Welche anderen, spezifischen Ursachen können sich hinter Rückenschmerzen verbergen?

Bei rund zehn Prozent der Fälle lassen sich spezifische Ursachen nachweisen. Diese können entzündliche Krankheitsbilder sein, wie Morbus Bechterew, aber auch Wirbelbrüche aufgrund einer Osteoporose, Nierenstein oder ein Bandscheibenvorfall bzw. eine Diskushernie.

Das Grundprinzip lautet: Lieber laufen und liegen, anstatt sitzen und stehen

Letztere Erkrankung ist besonders schwerwiegend, wenn sie neurologische Ausfälle zur Folge hat.

Bei Lähmungserscheinungen in den Beinen wird der Arzt sofort entsprechende diagnostische und therapeutische Massnahmen einleiten.

Wann bedürfen Rückenschmerzen einer ärztlichen Untersuchung?

Medizinisch schwerwiegende Fälle müssen immer ärztlich untersucht werden. Problematisch sind auch unspezifische Rückenschmerzen, die ein Risiko für eine Chronifizierung bergen. Zu den «Red Flags» bzw. Warnzeichen für eine ernste, spezifische Ursache gehören neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen.

Auch bei Blasen- oder Darmfunktionsstörungen in Verbindung mit Rückenschmerzen oder wenn die Rückenschmerzen nach einem Unfall auftreten, sollte man unverzüglich zum Arzt.

Weitere Warnsignale, die einen Arztbesuch im Zusammenhang mit Rückenschmerzen erforderlich machen, sind Fieber, eine starke, unerklärliche Gewichtsabnahme oder ein allgemeines Krankheitsgefühl. Ansonsten gilt: Lassen die Rückenschmerzen nach vier bis sechs Wochen nicht nach, sollte man grundsätzlich zum Arzt.

Welche generellen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei spezifischen Rückenschmerzen hängt die Therapie von der Diagnose ab. Liegt etwa Morbus Bechterew vor, kann eine gezielte medikamentöse Therapie sehr erfolgversprechend sein. Chronische Rückenschmerzen erfordern in der Regel ein interdisziplinäres oder multimodales Programm, das auch eine grosse psychologische Komponente umfasst.

Bei unspezifischen akuten Rückenschmerzen wird bei der Behandlung einerseits auf Schmerzmittel zurückgegriffen. Die zweite wichtige Säule bildet die Integration von Bewegung in den Alltag.

Das heisst Alltagsbewegungen aufrechterhalten bzw. körperliche Bewegung in den Alltag einbauen, gezielt Entlastungspausen einplanen und Physiotherapie bei hartnäckigen akuten Schmerzen. Das Grundprinzip lautet: Lieber laufen und liegen, anstatt sitzen und stehen.

Gilt dieses Prinzip auch präventiv?

Absolut. Bewegung, Beweglichkeit sowie Stabilität sind auch präventiv elementar. Schwache Rückenmuskeln verspannen sich bei Überlastung. Eine gute präventive Strategie gegen unspezifische Rückenschmerzen ist deswegen, gezielt die Muskeln zu stärken, die den Rücken stützen und bewegen.

Dazu zählen nicht allein die Rückenmuskeln, sondern auch die Bauch- und Beckenbodenmuskulatur. Die andere Komponente ist die Rückengesundheit – also dass man sich bei der Arbeit und in der Freizeit möglichst rückenfreundlich verhält.