Duftstoffe tragen zu unserem Wohlbefinden bei, sie beleben unsere Sinne. Im Roman «Das Parfum» von Patrick Süskind ist davon eindrücklich die Rede.

Eine duftende Blume, stimulierende Kräuter, ein Putzmittel, das allein vom Geruch her den Eindruck von Sauberkeit auslöst: Duftstoffe haben viele positive Seiten, beinhalten aber manchmal auch Substanzen, die allergische Reaktionen auslösen können.

Um Betroffene vor Überempfindlichkeitsreaktionen bestmöglich zu bewahren, greift der Gesetzgeber bei Duftstoffen stark regulierend ein. Im kosmetischen Bereich sind die Vorschriften besonders streng, weil ein direkter Hautkontakt die Regel ist.

Bevor eine gut duftende Handcreme auf den Markt kommt, muss sie toxikologisch gesehen also besonders intensiv auf Herz und Nieren geprüft werden. Neben Kosmetika kommen Verbraucher auch über die Wasch- und Reinigungsmittel mit Duftstoffen in Berührung.

«Dem Verbraucherschutz kommt eine grosse Bedeutung zu. Die EU arbeitet daran, diesen Schutz sogar noch auszuweiten», sagt Dr. Cornelius Nussbaumer.

Der Chemiker präsidierte bis vor Kurzem ein Dutzend Jahre lang den Schweizerischen Aromen- und Riechstoff-Industrieverband. Aktuell schreibe die EU vor, dass 26 Duftstoffe als Allergene deklariert werden müssen.

Die Kennzeichnungspflicht dürfte in naher Zukunft noch ausgeweitet werden. In der Schweiz tritt per 1. Mai 2017 eine neue Kosmetikverordnung in Kraft. Unser Land übernehme die Vorgaben der EU, weiss Nussbaumer.

Über 2'000 Duftstoffe seien momentan weltweit auf dem Markt erhältlich, schätzt Nussbaumer. Jedes Jahr kämen etwa 15 bis 20 neue dazu. Bei etwa 100 bis 150 Duftstoffen gehe man von einem «inhärenten Hautallergiepotenzial» aus.

Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn nehme laufend zu, weil die Dermatologen von Gesetzes wegen verpflichtet seien, Allergiefälle zu melden. Die Rückmeldungen veranlassten die Industrie dazu, die Produktesicherheit nach Möglichkeit noch mehr zu verbessern. Bei allen Bemühungen müsse aber immer wieder ein Mittelweg zwischen den verschiedenen Interessen gesucht werden, macht Nussbaumer klar.

Glücklicherweise halte sich die Zahl von betroffenen Allergikern in engen Grenzen. «Die meisten Menschen vertragen Duftstoffe sehr gut», ist sich Nussbaumer sicher. Ein Restrisiko lasse sich leider nie ganz ausschliessen. Eine Allergie könne auch einen anderen Grund haben. Oft sei es gar nicht der Duft, sondern der Inhaltsstoff eines Produktes, der eine Allergie auslöse.

Neben den gesetzlichen Auflagen leiste die Industrie auch auf fakultativer Basis einen nennenswerten Beitrag zur Verbesserung der Situation für Allergiker. Im Sinne einer freiwilligen Selbstregulierung halte sich die Branche bei gewissen Duftstoffen – rund 80 an der Zahl – in Sachen Dosierung zurück.

Der Dachverband der internationalen Duftstoffindustrie (IFRA) würde sich schon seit 1973 für einen starken Verbraucherschutz einsetzen. Damals sei dieser Verband gegründet worden, um eine sichere Verwendung von Riechstoffen in Konsumentenprodukten zu gewährleisten.

Wer glaube, mit dem Gebrauch von Naturkosmetika erledige sich ein Allergieproblem quasi von selbst, unterliege übrigens einem Irrtum. «Von den 26 zu deklarierenden Riechstoffen sind nicht weniger als 16 Naturprodukte», listet Nussbaumer auf. 

Naturprodukte seien aus Allergikersicht keineswegs harmloser als ihr synthetisches (chemisches) Pendant. Ob Lavendelöl, Vanilleschoten oder Zitronenöl: Die fein riechenden natürlichen Substanzen würden sich von ihrer chemischen  Zusammensetzung her nicht von den synthetischen unterscheiden.

Die Industrie habe letztlich nichts anderes gemacht, als die Strukturen dieser natürlichen Stoffe zu bestimmen und daraus abgeleitet die synthetischen zu produzieren.