Was versteht man unter Vaskulitis?

Es handelt sich um eine heterogene Gruppe von Erkrankungen, die eine Entzündung der Blutgefässwände als gemeinsames Merkmal haben. Bei einer Vaskulitis greift das Immunsystem aufgrund einer Autoimmunreaktion die eigenen Blutgefässe an.

Das Immunsystem richtet sich also gegen körpereigene Strukturen, was als Autoimmunkrankheit bezeichnet wird. Wie es genau zu diesen Erkrankungen kommt, ist meist nicht klar. Vaskulitis kann auch durch eine andere Krankheit, zum Beispiel Arthritis, oder ein spezifisches Medikament oder eine Infektion (zum Beispiel Hepatitis-Viren) verursacht sein.

Welche Formen gibt es?

Man unterteilt die Vaskulitiden nach der Grösse der betroffenen Blutgefässe, also nach kleinen, mittleren und grossen. Die Häufigkeit, die Art der Entzündung, die tangierten Blutgefässe und die betroffenen Organe variieren stark.

Gelenk-, Nieren- und Lungenbefall, Nervenausfälle, eine chronische Nasen- oder beidseitige Mittelohrentzündung gehören zu den häufigen Beschwerden, ebenso Hautausschläge, die sich in Form von kleinen, roten Flecken bemerkbar machen.

Wie stark ist diese Krankheit verbreitet?

Vaskulitiden sind seltene Krankheiten, die zudem in vielen Fällen lange nicht entdeckt werden. Vielfach sind eher ältere Personen betroffen, bei der häufigsten Form spricht man von etwa 1 von 600 Personen bei den über 65-Jährigen.

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind es weit weniger. Das Kawasaki-Syndrom, auch eine Form von Vaskulitis, tritt dagegen fast nur bei Kleinkindern auf. Die Behçet-Krankheit zeigt sich durch häufige Aphten an Mund und Genitalien, schwere Augenentzündungen und ist auch eine Vaskulitis von kleinen bis mittelgrossen Blutgefässen.

Sie wird auch als eine Seidenstrassen-Krankheit bezeichnet, die bei Personen im Mittelmeerraum und in Teilen von Asien verbreiteter sind. Ein Charakteristikum sind hier Venenentzündungen, die bei den anderen Vaskulitiden nur sehr selten vorkommen.

Wie wichtig ist ganz grundsätzlich eine Früherkennung von Vaskulitis?

Sehr wichtig. Das Aufsuchen eines mit Vaskulitis vertrauten Behandlungszentrums ist sehr ratsam. Je nach Organbefall ist eine enge Zusammenarbeit von verschiedenen Fachdisziplinen (unter anderem Immunologie, Dermatologie, Rheumatologie, Nephrologie) angesagt.

Je später die Diagnose, desto grösser ist die Gefahr, dass diese Entzündungserkrankung zu bleibenden Schäden führt und immer schwieriger zu behandeln ist. Eine Vaskulitis wird allerdings nicht so schnell erkannt, eben weil sie selten vorkommt und ein Arzt eher auf andere Erkrankungen schliesst.

Symptome wie Müdigkeit, Fieber, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Gewichtsverlust, schwerer Schnupfen, Husten etc. sind sehr unspezifisch und können auf zahlreiche andere gesundheitliche Probleme hindeuten.

Und wie wird bei einem Verdacht auf Vaskulitis vorgegangen?

Dann wird der Arzt nach einem Gespräch und einer Voruntersuchung weitere Untersuchungen durchführen. Eine Gewebeprobe (Biopsie) bestätigt die Diagnose und vermittelt wertvolle Erkenntnisse über die Form und die notwendige Therapie einer Vaskulitis.

Wie sieht die Therapie aus?

Bei den meisten Betroffenen muss eine immunsuppressive Behandlung durchgeführt werden, um schwere Organschäden zu verhindern. Dazu gehört ein Kortisonpräparat, das allerdings wegen möglicher Nebenwirkungen nur so lange wie nötig eingesetzt und dann durch andere Medikamente abgelöst wird.

Parallel dazu drängt sich eine Ernährungsberatung auf, damit die Patienten nicht zu stark an Gewicht zulegen. Die Vielfalt der Vaskulitiden erfordert eine auf die Krankheitsform angepasste Behandlung. Gezieltere Therapieformen stehen seit wenigen  Jahren zur Verfügung und weitere werden mit klinischen Studien erforscht.