Wie ist das Krankheitsbild der Epilepsie?
Epilepsie ist eine Funktionsstörung des Gehirns. Das Merkmal ist eine dauerhafte Neigung zur Entwicklung epileptischer Anfälle. Die Konsequenzen sind neurobiologische, kognitive (betrifft Denkprozesse), psychologische und soziale Störungen. Die Diagnose einer Epilepsie setzt das Auftreten mindestens eines epileptischen Anfalls voraus. Die Ursache der meisten Epilepsien liegt im Gehirn selbst. Auslöser können aber auch Stoffwechselstörungen oder sonstige Erkrankungen ausserhalb des Gehirns sein.

Welches sind die täglichen Belastungen oder gar Einschränkungen für Betroffene und Angehörige?
Die grösste Belastung für Betroffene, aber auch für Angehörige besteht darin, dass die Anfälle «aus heiterem Himmel» kommen. Dies führt zu Ängsten und oft auch zu Depressionen sowie eingeschränkten Tätigkeiten. Manche Berufe können gar nicht ausgeübt werden. Bei nicht mindestens einjähriger Anfallsfreiheit darf kein Auto gefahren werden, um nur einen Aspekt zu nennen.

Wird eine Epilepsie vererbt oder durch einen Vorfall verursacht?  
Beides kann der Fall sein. Die erblich bedingte Epilepsie ist dabei weniger häufig. Erfreulicherweise sind dies fast ausschliesslich sogenannt gutartige Epilepsien mit weitgehend harmlosen Anfällen, die schon in der Kindheit oder in der Jugend von alleine aufhören. Die meisten Epilepsien bei Erwachsenen treten ohne erblichen Einfluss auf. Äussere Anlässe können zu Epilepsien führen, wie zum Beispiel Verletzungen des Gehirns bei Verkehrsunfällen oder sonstigen Schädel-Hirntraumen.

Was sind die häufigsten Anfallsauslöser?
Die häufigsten Auslöser eines erstmaligen epileptischen Anfalles sind bei Kindern Fieber (jedes 20. Kind erleidet in den ersten fünf Lebensjahren mindestens einen sogenannten fiebergebundenen Anfall oder «Fieberkrampf»), bei Erwachsenen Schlafentzug, oft in Kombination mit Alkoholgenuss und nachfolgendem Alkoholentzug. Patienten mit langjähriger Epilepsie-Diagnose berichten, dass Stress einer der häufigsten Anfallsauslöser ist. Daneben kann auch das Vergessen der erforderlichen Tabletteneinnahme zu Anfällen führen.

Kann eine Epilepsie lebensbedrohlich sein?
Erfreulicherweise ist die Lebenserwartung von Menschen mit Epilepsie nicht nennenswert verkürzt. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen von dieser Regel: Zum einen der sogenannte «Status epilepticus». Darunter versteht man rasch aufeinanderfolgende und schwere epileptische Anfälle. Zum anderen gibt es das sogenannte «SUDEP-Syndrom». «SUDEP» steht für Sudden unexplained Death in Epilepsy und entspricht in vielen Aspekten dem besser bekannten Begriff des plötzlichen Kindstodes. Mit einem «SUDEP-Syndrom», also einem plötzlichen nicht erklärbaren Tod ist durchschnittlich bei 1 von 1000 schwer erkrankten Epilepsiepatienten mit weiter auftretenden Anfällen trotz Einnahme von mehreren Epilepsiemedikamenten gleichzeitig zu rechnen.

Wie viele Menschen in der Schweiz sind betroffen? Gibt es eine Dunkelziffer?
Weltweit geht man davon aus, dass etwa 0,6 Prozent der Bevölkerung an Epilepsie leiden. In der Schweiz sind etwa 50 000 Menschen davon betroffen. Die Zahl der Neuerkrankungen in der Schweiz beträgt etwa 3000 pro Jahr. Wie bei allen Erkrankungen ist von einer Dunkelziffer auszugehen, die jedoch für Epilepsie nicht sehr hoch sein dürfte

Welche Behandlungsformen gibt es für Epilepsie?
Es gibt verschiedene Behandlungsarten, die nach Schweregrad der Krankheit variieren. Bei einigen bewirkt bereits eine Änderung des Lebensstils eine Reduzierung der Anfälle oder sogar eine Anfallsfreiheit. Bei den meisten Menschen mit einer Epilepsie jedoch, und dies sind über 95 Prozent, ist eine medikamentöse Behandlung notwendig. Diese kann vorübergehend erfolgen, ist aber oft lebenslang. Für einen sehr geringen Anteil mit Epilepsie der Patienten (unter 5 Prozent) besteht die Möglichkeit eines operativen Eingriffs im Gehirn.