In Europa leidet ungefähr jeder fünfte Mensch unter chronischen Schmerzen am Bewegungsapparat, die meisten von ihnen länger als 2 Jahre, einige sogar während 20 Jahren oder mehr. Schmerzen gehören somit zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden in der Bevölkerung.

«Schmerzen können Ausdruck eines tieferen gesundheitlichen Problems sein und sie beeinträchtigen die Lebensqualität.»

Sie sind nicht nur häufig, sie kennen keine Altersgrenze: Auch Kinder und Jugendliche sind von Schmerzen betroffen! Eins bis vier von 1000 Kindern und Jugendlichen leiden in der Schweiz unter Rheuma. Schmerzen haben im Alltag ine wichtige Warnfunktion und «helfen» uns, unsere körperlichen Grenzen besser zu erkennen. Dauern sie aber an, sprechen sie auf eine Behandlung ungenügend oder nicht an, dann muss die Ursache medizinisch sorgfältig abgeklärt werden. Denn Schmerzen können Ausdruck eines tieferen gesundheitlichen Problems sein und sie beeinträchtigen die Lebensqualität. Betroffene erleben, wie die Schmerzen zunehmend einen negativen Einfluss auf ihr soziales Leben, Familie und Freunde haben. Sie fühlen sich zusehends einsam und isolieren sich sozial, sie befürchten negative Auswirkungen auf ihre Beziehung, haben Angst ihren Job zu verlieren.

 

Schmerzen sind verbunden mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten

Schmerzen – insbesondere chronische Schmerzen – sind nicht nur ein häufiges gesundheitliches Problem, sie sind auch mit hohen direkten (durch medizinische Abklärungen oder Behandlungen) und indirekten (bedingt durch Arbeitsausfall) Kosten verbunden. Gemäss Schätzungen beliefen sich in der Schweiz am Anfang des Jahres 2007 die osteoporosebedingten Kosten auf 1,3 Milliarden Franken, die Kosten für chronische Schmerzen auf etwa 5 Milliarden Franken. Da die Menschen zunehmend älter werden, wird sich die Kostenfrage in Zukunft weiter verschärfen.

 

Fortschritte im Kampf gegen den Schmerz

Es gibt aber auch gute Nachrichten. So bilden sich zum Beispiel die überwiegende Mehrheit der Rückenschmerzen bei Erwachsenen glücklicherweise innert 4-6 Wochen zurück, bei Jugendlichen sogar innert weniger als drei Tagen. Die Erfassung der Knochendichte zum Ausschluss einer Osteoporose («Knochenschwund») ist heute mittels einfachen, standardisierten bildgebenden Verfahren Routine geworden, wirksame Medikamente stehen zur Behandlung zur Verfügung. Auch in der Behandlung von akuten wie chronischen Schmerzen sind in den letzten zehn Jahren grosse Fortschritte erzielt worden: Durch das bessere Verständnis der Entstehungsmechanismen und die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren kann die Behandlung gezielter erfolgen. Die klassischen konservativen medikamentösen und nicht medikamentösen Therapien – wie Bewegung im Allgemeinen, Physiotherapie, Heimprogramme – sind durch interventionelle technische Verfahren ergänzt worden, zum Beispiel mittels Injektionen, Katheter-Behandlungen oder operativen Verfahren. Da nicht nur Gewebsschädigungen, sondern auch psychische wie soziale Faktoren chronische Schmerzen beeinflussen, sind wirksame interdisziplinäre Behandlungsprogramme entwickelt worden, die sowohl Bewegungstherapien (Physiotherapie, funktionsorientierte Ergotherapie u.a.), Verhaltenstherapie (psychologische Einzelgespräche, Entspannungs- und Schmerzbewältigungstherapie) wie auch medikamentöse Therapie beinhalten. Sie ermöglichen nachhaltig dem Patienten im Alltag besser mit dem Schmerz umgehen zu können und steigern seine Lebensqualität.

 

Die Betroffenen sind heute nicht mehr alleine mit ihrem Schicksal!

Die beiliegenden Expertenbeiträge geben einen vertieften Einblick über Prävention, Diagnostik und Therapie häufiger Schmerzzustände unter Einbezug der erzielten diagnostischen und therapeutischen Fortschritte der letzten Jahre. Falls Sie sich nach der Lektüre eines Beitrages betroffen fühlen, Unklarheiten oder Unsicherheiten auftreten, sie Fragen haben, sprechen Sie darüber mit Ihrem Hausarzt oder Ihrem Schmerzspezialisten.