Herr Dr. Schwander, haben Sie letzte Nacht gut geschlafen?
Eigentlich gut, vielleicht etwas kurz. Auch für mich ist nicht jede Nacht gleich. Entscheidend ist, dass ich mich am Morgen fit fühle.

Rund ein Viertel der Bevölkerung schläft ab und zu schlecht. Sind das alles potenzielle Patienten der Klinik für Schlafmedizin?
Nein, natürlich nicht. Die Menschen, die zu uns kommen, fühlen sich nicht erholt. Sie sind müde oder schläfrig am Tag, spüren, dass sie ihr Leistunspotential nicht ausschöpfen können. Oft sind sie angespannt, innerlich nervös und unausgeglichen.

Ab wann ist denn eine Schlafstörung überhaupt behandlungsbedürftig?
Sobald jemand im Alltag beeinträchtigt ist, sei es durch Müdigkeit, Schläfrigkeit, verminderte Konzentration, fehlende Motivation, Stimmungsschwankungen, erhöhte Fehlerrate an der Arbeit und so weiter. Auch die Zeitdauer, über welche die Störung besteht, spielt eine Rolle. Für Schlafstörungen gelten die gleichen Gesetze wie für alle anderen gesundheitlichen Probleme: Wir brauchen eine genaue Diagnose, um wirksam behandeln zu können.

Ist der Leidensdruck gross, bis die Patienten die KSM aufsuchen?
Ja, in der Regel sehr hoch. Die Menschen leiden oft darunter, dass ihre Umgebung nicht nachempfinden kann, wie lästig und aufreibend Schlafprobleme sein können. Unsere Aufgabe ist es dann, mit unserem Team von Schlafspezialisten – mit verschiedenen Hintergründen wie Psychologie, Neurologie, Psychiatrie, Innere Medizin – die Schlafstörungen fachmännisch zu diagnostizieren und zu behandeln.

Welches sind die häufigsten Schlafstörungen?
Zu den häufigsten Schlafstörungen gehören Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie), Atemaussetzer – oft verbunden mit Schnarchen (sog. Schlafapnoe-Syndrom) sowie unruhige Beine (sog. Restless-Legs-Syndrom).

Woher weiss man, dass man an einer Insomnie leidet?
Viele Menschen haben gelegentlich Schlafstörungen, z.B: Schwierigkeiten beim Einschlafen, unruhiger oder oberflächlicher Schlaf mit häufigem oder frühem Erwachen am Morgen. Diese leichten und gelegentlichen Schlafstörungen können unterschiedliche Ursachen haben, z.B. Stress oder auch Gedanken und Probleme, die einen nicht zur Ruhe kommen lassen.  Erst bei andauernden Ein- und Durchschlafstörungen spricht man von einer Insomnie.

Wie äussert sich die Insomnie?
Oft beginnen Ein- und Durchschlafstörungen mit Belastungen; manchmal kann man aber auch keine genaue Ursache erkennen. Die Insomnie wird durch einen Teufelskreis aufrecht erhalten. Gedanken, die den Schlaf stören, wie zum Beispiel Ärger über die Schlaflosigkeit, Grübeln über die Konsequenzen von Schlaflosigkeit oder unrealistische Erwartungen hindern uns am Einschlafen. Mit der Zeit werden dadurch unvorteilhafte Schlafgewohnheiten entwickelt.

Wie wird eine Insomnie normaler­weise behandelt?
Um die Insomnie gezielt behandeln zu können, ist es besonders wichtig, auslösende sowie aufrechterhaltende Faktoren zu identifizieren. Im Vordergrund stehen nicht-medikamentöse, verhaltenstherapeutische Ansätze. Studien belegen, dass 70–80 Prozent der Betroffenen mit nicht-medikamentösen Therapien die Ein- und Durchschlafstörungen überwinden. Bei akuten Schlafstörungen kann die befristete Abgabe von Schlafmitteln sinnvoll sein, wenn so eine insomnische Entwicklung vorzeitig verhindert werden kann.

Was ist das Behandlungskonzept der Klinik für Schlafmedizin?
Etwa 95% der Schlafstörungen werden ambulant abgeklärt und behandelt. Bei komplexen Schlafstörungen oder wenn ambulante Behandlungsversuche nicht zum Ziel geführt haben, nehmen wir Patienten auch stationär bei uns auf. Nach dem stationären Aufenthalt wird der Patient vom gleichen Team ambulant nachbetreut: Dieses Konzept erhöht die Chance eines Behandlungserfolges.

Eine letzte Frage: Wie lautet Ihr Ratschlag für einen guten Schlaf?
Betrachten Sie den Schlaf als Ihren Freund, der Ihnen Erholung bringt. Schlafen Sie ausreichend, damit auf die Dauer kein Schlafmangel entsteht. Dazu ist es völlig normal, wenn man ab und an schlecht schläft.