Dr. Nuoffer, was weiss man über die Ursachen von Morbus Fabry?

Das defekte Gen liegt auf dem X-Chromosom. Der Defekt führt bei Betroffenen zu einer Speicherung von fettähnlichen Abbauprodukten – sogenannten Glykosphingolipiden in mehreren Organen und Geweben.

Bei zunehmender Speicherung kommt es schlussendlich zu einer Funktionsstörung der betroffenen Organe, wie Herz, Niere und zentrales Nervensystem, sowie begleitenden Symptomen.

Wie können sich solche Symptome äussern?

Im Kindesalter sind die Symptome (Bauchschmerzen, Schmerzen an Händen und Füssen, Kälte- und Wärmeempfindlichkeit und verminderte Schwitzen-, Haut- und Kornea-Veränderungen) seltener als im Erwachsenenalter.

Hier stehen zusätzlich vor allem Herzmuskel- und Nierenprobleme oder Schlaganfälle im Vordergrund. Der Krankheitsverlauf des einzelnen Patienten lässt sich kaum vorhersagen.

Warum ist der Weg bis zur Diagnose Morbus Fabry oft so lang und mühsam? 
 

Aufgrund der Seltenheit ist Morbus Fabry kaum bekannt und nur wenige Ärzte haben Erfahrung mit dieser Krankheit.
 

Zudem können sich die Beschwerden bei Patienten sehr variabel gestalten. Auch sind die Symptome unspezifisch, erscheinen über einen Zeitraum von Jahrzehnten und sind auch zeitlebens oft nur teilweise vorhanden.

Eine vermehrte Proteinausscheidung im Urin kann zwar hinweisend sein, hat aber viel häufiger eine andere Ursache. Zudem treten die relativ typischen kleinen roten Hautveränderungen (Angiokeratome) und die Kornea-Veränderungen (Cornea verticillata) erst im jungen Erwachsenenalter auf und müssen gezielt gesucht werden, da diese häufig keine Beschwerden machen.

Mit welchen häufig vorkommenden Krankheiten wird Morbus Fabry oft verwechselt?

Wenn die Symptome einzeln auftreten, ist die Diagnose schwierig. Bauchschmerzen können besonders im Kindesalter als entzündliche Darmerkrankung oder Reizdarmsyndrom fehldiagnostiziert werden.

Die wiederkehrenden brennenden Schmerzen können als Simulation, Störung der Blutbildung (Porphyrie) oder Erkrankung der Nerven (Neuropathie) verkannt werden. Zerstörung (Läsionen) der weissen Hirnsubstanz als Multiple Sklerose. Zu häufig werden die Symptome als idiopathisch (unklar) symptomatisch behandelt.

Welche Besonderheiten können unter anderem einen ersten Verdacht auf M. Fabry geben? 

Alle oben beschriebenen Symptome können Erstsymptome sein und sollten dazu führen, dass man gezielt nach weiteren Symptomen und Befunden sucht und eine ausführliche Familienanamnese erhebt.

Inwiefern kann die Familienanamnese helfen? 

Eine familiäre Häufung von Nierenversagen, Herzmuskelerkrankung (Kardiomyopathie), brennenden Schmerzen oder ausgesprochener Temperaturempfindlichkeit, welche über eine X-chromosomale Vererbung erklärt werden können, ist hochverdächtig auf Morbus Fabry.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Morbus-Fabry-betroffenen Frauen und Männern? 

Sowohl Männer als auch Frauen können an Fabry erkranken. Da Frauen aber zwei X-Chromosomen haben, kann es sein, dass sie erst Jahre später erkranken oder sogar beschwerdefrei bleiben. Das erschwert die Diagnose und Therapie.

Ist mit den heutigen Erkenntnissen der Medizin eine eindeutige Diagnose des Morbus Fabry möglich?

Es sollten unbedingt enzymatische, biochemische und genetische Untersuchungen kombiniert werden. Dann bleiben nur wenige Fälle unklar. Es kann aber auch heute noch schwierig sein, eine Diagnose eindeutig zu bestätigen.

Warum ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung so wichtig? 

Mit der zunehmenden Speicherung der Glykosphingolipide kommt es zu irreversiblen Gewebs- und Organschäden beim Patienten. Zudem können mit einer frühzeitigen Diagnose eine genetische Beratung und ein Screening anderer Familienangehöriger erfolgen.

Wie können die Betroffenen Eigeninitiative ergreifen?

Ich würde empfehlen, dass sie in einem der Schweizer Universitätsspitäler einen Spezialisten für Morbus Fabry aufsuchen.

Wie sehen die Therapiemöglichkeiten aus? 

Die Therapie besteht in einer Enzymersatztherapie. Diese erfolgt durch regelmässige Infusionen. Je nach begleitenden Symptomen sind zusätzliche Medikamente als symptomatische oder prophylaktische Therapie notwendig.

Morbus Gaucher ist ebenfalls eine lysosomale Speichererkrankung. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Morbus Gaucher ist eine der häufigsten lysosomalen Speicherkrankheit. Die Krankheit wird autosomal rezessiv vererbt. Im Durchschnitt erkrankt 1:50000 an dieser Erkrankung.

Der Defekt führt bei Betroffenen zu einer Speicherung von fettähnlichen Abbauprodukten – sogenannten Glykocerebrosiden. Da diese Fette häufig im Abbau von Blutzellen anfallen, kommt es vor allem in der Leber, der Milz, im Knochenmark und seltener auch im Zentralnervensystem, zur Speicherung.

Welches sind die Folgen?

Die Folge sind leichte bis schwere Krankheitszeichen. Formell werden drei Formen unterschieden: der häufigere nicht neuropathische Typ I, der akute neuropathische Typ II, welcher bereits bei Kleinkindern zum Tode führt, und der chronisch neuropathische Typ III.

Auch der häufigste Typ I Gaucher kann sehr unterschiedlich verlaufen und nur einzelne Symptome bis ins hohe Alter verursachen. Mögliche Beschwerden sind Knochenschmerzen, neurologische Beschwerden und durch die grosse Leber und Milz: Blutungsneigung, Blutarmut, Infektneigung, Müdigkeit und Bauchschmerzen.