Facts

  • Die Stiftung zur Förderung der Knochenmarktransplantation (SFK) betreut seit 1994 Patienten und Angehörige sowie informiert über Möglichkeiten, Grenzen und technischen Hilfsmittel.
  • Hinter dem Begriff myelodysplastisches Syndrom (MDS) steht eine ganze Gruppe von Erkrankungen, bei denen die Ausreifung von weissen oder roten Blutkörperchen oder der Blutplättchen gestört wurde. Dadurch treten immer mehr unreife Zellen im Knochenmark auf, wodurch die Blutproduktion leidet. Schwere Blutarmut ist häufig die Folge.
  • Die Krebsliga Schweiz engagiert sich für Menschen mit Krebs und ihre Angehörigen. Sie bietet Unterstützung und Beratung, informiert über Früherkennung und Prävention und fördert die patientennahe Krebsforschung – auch zu seltenen Krebserkrankungen.

«Myelodysplastisches Syndrom» (MDS) ist ein furchtbar komplizierter Name. Was steckt hinter diesem Zungenbrecher?
Es bedeutet, dass das Knochenmark abnorm ist, sich somit eine Vorstufe von Krebs gebildet hat. Das Knochenmark ist wie eine Fabrik. Funktioniert die Produktion nicht einwandfrei, werden nicht nur fehlerhafte, sondern auch zu wenige Blutkörperchen hergestellt. Es kommt zu einer Blutarmut.

Inwiefern spürt der Patient das?
Die Betroffenen fühlen sich schlapp oder leiden unter Atemnot. Bei einem Mangel an weissen Blutkörperchen ist vor allem das Abwehrsystem geschwächt, wodurch vermehrt Infektionen auftreten. Bei der dritten Gruppe – mit zu wenigen Blutplättchen – kommt es zu häufigen Blutungen.  

Alles Symptome, die einen noch keine schwere Krankheit vermuten liessen.
Das ist richtig. Jeder Mensch ist ab und an übermässig müde. Jeder Mensch leidet einmal unter einem Infekt. Jeder Mensch hat einmal Nasen- oder Zahnfleischbluten. Deswegen geht man nicht sofort zum Arzt, und auch dieser würde wohl kaum als erstes an MDS denken. Es ist sehr schwierig, den Übergang von normal zu unüblich zu erkennen.

Wie wird MDS diagnostiziert?
Dazu braucht es eine Knochenmarkpunktion. Diese komplizierte Untersuchung gibt Aufschluss darüber, ob abnorme oder sogar krebsartige Zellen vorhanden sind. Zusätzlich kann festgestellt werden, wie schwer die Krankheit ist. Je näher sie bei der akuten Leukämie ist, desto bösartiger ist sie.

Rund 30 Prozent der MDS-Patienten leiden irgendwann unter einer akuten Leukämie.
Theoretisch wären es sogar alle. Die Transformation einer abnormen zu einer krebsartigen Zelle ist lediglich eine Frage der Zeit. Das Durchschnittsalter von MDS-Patienten liegt bei 68 Jahren. Es erkranken folglich auch deutlich ältere Menschen daran. Die Möglichkeit, dass der Patient stirbt, bevor sich eine Leukämie entwickelt hat, ist somit durchaus gegeben.

Wodurch entsteht diese seltene Krankheit?
Risikofaktoren sind alle schädigenden Einflüsse auf das Erbgut. Hier in der Schweiz sind es vor allem Chemotherapien, die MDS auslösen können. In den meisten Fällen ist die Ursache allerdings unklar.

Inwiefern schränkt die Krankheit die Betroffenen im Alltag ein?
MDS beginnt häufig schleichend. Der Patient fühlt sich etwas müder als sonst. Ist die Krankheit erst einmal diagnostiziert, kommen die psychischen Faktoren hinzu. Der Patient muss damit leben, dass sich sein Gesundheitszustand jederzeit massiv verschlechtern könnte. Ausserdem sind die Behandlungen in vielen Fällen sehr zeitaufwändig.  
 
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Das kommt sehr auf das Alter und den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten an. Bei Blutarmut oder Bluttplättchenmangel arbeitet man vor allem mit Transfusionen. Bei einem Mangel an weissen Blutkörperchen versucht man, den Patienten vor Infektionen zu schützen. Ist die Krankheit bereits nahe an einer Leukämie, gibt es verschiedene Chemotherapien.

Was ist mit einer Knochenmarktransplantation?
Bei Patienten unter 70 Jahren ist dies durchaus eine Möglichkeit.

Und bei älteren Patienten?
Bei diesen ist der Eingriff zu riskant. Die Möglichkeit, an der Behandlung zu sterben, ist in etwa gleich hoch, wie dadurch geheilt zu werden.

Gibt es auch Fälle, in denen es keinen Sinn macht, den Patienten sofort zu behandeln?
Die gibt es. Ich behandle aktuell eine 55-jährige Patientin, die seit vier Jahren unter dem MDS leidet. Sie hat zwar weniger Blutplättchen als normal, fühlt sich aber sehr wohl. Häufig verhalten sich Krankheiten lange ruhig. Die grosse Kunst ist es, herauszufinden, wann sie es nicht mehr tun.