Wann treten in der Regel die ersten MS-Symptome auf?
Statistiken belegen, dass dies zwischen 20 und 40 Jahren der Fall ist, also mehrheitlich bei jungen Erwachsenen. Wie immer bei Statistiken gibt es aber auch «Ausreisser», bei denen sich die ersten Symptome unter 20 beziehungsweise über 50 Jahre zeigen.

Wie manifestieren sich die Beschwerden zu Beginn der Erkrankung?
Oft kommt es zu einer Entzündung des Sehnervs. Die Patienten sehen auf einem Auge unscharf und die Farben verblassen allmählich. Viele Patienten leiden auch unter Sensibilitätsstörungen, einem unangenehmen Kribbeln oder dem sogenannten Ameisenlaufen. Häufig beginnen diese Beschwerden in den Füssen und steigen dann zum Körper hinauf. Es kann aber auch zu Lähmungserscheinungen oder Gleichgewichtsstörungen kommen.

Weshalb sind Frauen doppelt so häufig von MS betroffen?
Darauf eine Antwort zu finden, ist schwierig. Aktuelle Studien zeigen, dass die Erkrankung bei Frauen unterdessen immer häufiger vorkommt, als dies noch vor 50 Jahren der Fall war. Auch für andere Autoimmunerkrankungen gilt häufig, dass Frauen ein erhöhtes Risiko haben. Man vermutet hier einen Zusammenhang mit Hormonen. Aber wie gesagt, schlüssige Antworten gibt es bis jetzt keine.

Wie viele MS-Erkrankte leben derzeit in der Schweiz?
Diesbezüglich gibt es keine verlässlichen Zahlen. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 10 000 Personen von der Erkrankung betroffen sind. Unterdessen läuft eine MS-Kohortenstudie in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen MS-Gesellschaft. Davon erhoffen wir uns verlässlichere Zahlen.

Multiple Sklerose ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Kann man trotzdem sagen, welche Symptome im Vordergrund stehen?
Das ist von Patient zu Patient extrem unterschiedlich. Wie bereits erwähnt kann es zu einer Entzündung des Sehnervs oder zu Sensibilitätsstörungen kommen. Später können auch Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen auftreten. Generell kann man sagen, dass sämtliche Körperfunktionen betroffen sein können, die vom Nervensystem kontrolliert werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten und Therapien stehen heute zur Verfügung?
Es gibt einerseits symptomatische Therapien. So können etwa das sogenannte Ameisenlaufen oder spastische Beeinträchtigungen mit Medikamenten oder Physiotherapie behandelt werden. Anderseits gibt es Therapien, die versuchen, den Krankheitsverlauf zu beeinflussen, also prophylaktische Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, die Anzahl der Schübe zu reduzieren. Alle Therapien wirken auf das Immunsystem und haben zum Ziel, dieses zu dämpfen und in seiner Reaktivität zu verändern. Ganz zentral ist, dass man mit der Behandlung so früh wie möglich beginnt. Sie soll ja Schlimmeres verhindern.

Mit welchen gesundheitlichen Folgen und Beeinträchtigungen müssen Betroffene leben?
Neben den schon erwähnten Ausfällen kann es auch zu Blasenstörungen und einer abnormen Müdigkeit, der sogenannten Fatigue, kommen, die im Alltag ein grosses Problem darstellen. Wenn die Erkrankung einen progredienten Verlauf nimmt, kann auch die Bewegungsfreiheit eingeschränkt sein. Das kann so weit gehen, dass die Patienten einen Rollstuhl benötigen. Sie sind deshalb im Berufs- und Privatleben zunehmend eingeschränkt und benötigen Hilfe. Das ist auch eine grosse Belastung für die Familie, da die meisten Betroffenen ja noch alles andere als alt sind.

Lässt sich etwas über die Ursachen der bis heute unheilbaren Krankheit sagen?
Die eine Ursache für alle Patienten gibt es nicht. So unterschiedlich, wie der Verlauf der Erkankung ist, so unterschiedlich werden wohl auch die Ursachen sein. Trotzdem hat die Forschung grosse Fortschritte erziehlt und die MS ist heute eine behandelbare Erkrankung.