Die Narkolepsie ist eine seltene von Gehirn ausgehende Störung der Schlaf-Wach-Regulation. Die Schläfrigkeit ist das Hauptsymptom der Narkolepsie, es begleitet die meist jungen Patienten ein Leben lang. Die Schlafanfälle treten unvorhersehbar in allen Lebenslagen auf, manchmal sogar beim Sprechen oder beim Essen. Ein zweites Hauptsymptom ist eine kurze Muskelschwäche, die Kataplexie, ausgelöst durch positive oder negative Emotionen. Es können nur einzelne Muskelgruppen, häufig Gesichtsmuskeln betroffen sein, nicht selten versagt die gesamte Haltemuskulatur des Körpers und es kommt zu Stürzen. Dabei bleiben die Patienten bei Bewusstsein und erleben alles mit. Typische Auslöser sind Lachen oder unerwartete Überraschungen, seltener auch Wut oder Ärger. Weiterhin können ungewöhnliche, traumartige Sequenzen während des Erwachens oder Einschlafens auftreten (hypopompe oder hypnagoge Halluzinationen), teils gemeinsam mit kurzeitigen Lähmungszuständen des ganzen Körpers, den Schlaflähmungen, vorkommen.

Wie entsteht diese unglaublich starke Schläfrigkeit, obwohl die Patienten über 24 Stunden gesehen, nicht mehr oder weniger schlafen als Gesunde? Das Hauptproblem für Narkolepsie-Patienten ist, den Zeitpunkt für Schlaf und Wachsein nicht mehr kontrollieren zu können. So schlafen die Betroffenen auch nachts nur in kurzen Abschnitten, sind mitunter mitten in der Nacht wacher als am Tag, und umgekehrt macht sich der Schlaf am Tage breit. Zudem verändert sich die Qualität von Wachsein und Schlaf. In bestimmten Situationen zerfallen Traumschlaf (auch REM-Schlaf genannt) und Wachsein in ihre einzelnen Bestandteile und setzen sich losgelöst voneinander neu zusammen. So treten Träume losgelöst vom Traumschlaf plötzlich im Wachzustand auf und führen zu den genannten Halluzinationen. Auf ähnliche Weise entstehen die Schlaflähmungen; eine Lähmung des Körpers wie sie normal und sinnvoll für den REM-Schlaf ist (wir würden sonst unsere Träume ausagieren), tritt unvermittelt während des Wachseins auf. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie verstörend es sein muss, beim Erwachen in seiner gewohnten Umgebung geistig wach, aber komplett gelähmt zu sein, nicht einmal den kleinen Finger rühren zu können: im eigenen Traumschlaf gefangen.   Der Ursprung dieser Störungen liegt in einem wichtigen Regelzentrum des Gehirns, dem Hypothalamus. Kürzlich haben Forscher entdeckt, dass der Botenstoff Orexin/Hypokretin bei Narkolepsie fehlt. Dessen Funktion ist es, die einzelnen Wach- und Schlafkomponenten wie mit einem Klebstoff zusammenzuhalten und auf diese Weise Schlaf und Wachsein zu stabilisieren. Vermutlich sterben die Orexin-Zellen im Hypothalamus durch autoimmune Entzündungsprozesse ab, weil sie fälschlich vom Körper als fremd erkannt und vernichtet werden. Der Orexinmangel kann heute mit Labortests festgestellt, die Auswirkungen auf den Schlaf können im Schlaflabor erfasst werden. Neue Forschungsergebnisse lassen hoffen, dass das Absterben der Nervenzellen in Zukunft verhindert werden kann. In der Zwischenzeit bleibt, die Hauptsymptome zu behandeln, wie sich zeigt, meist mit gutem Erfolg.