Zahlreiche Ursachen für eine Demenz

Dabei sind einige Demenzformen reversibel. Sie können durch eine adäquate Behandlung teilweise oder ganz geheilt werden. Dies ist etwa bei Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel einer Schilddrüsenunterfunktion oder bei einem Mangel an Vitamin B12 der Fall. Im Gegensatz dazu ist bei irreversiblen Demenzformen das Gehirn direkt erkrankt.

Die Alzheimer-Krankheit und die vaskuläre Demenz zählen zu den häufigsten irreversiblen Demenzformen. Demenz kann auch als Folge anderer Erkrankungen auftreten, etwa bei multipler Sklerose oder Schädel-Hirn-Verletzungen.

Zudem gibt es Mischformen von Demenz wie beispielsweise die vaskuläre Demenz kombiniert mit Alzheimer.

«Welchen Sinn kann ich dem Leben noch abgewinnen, wenn ich mich nicht mehr mitteilen kann, das Gedächtnis allmählich abnimmt und ich irgendwann zeitlebens auf fremde Hilfe angewiesen bin?»

Mit solchen Fragen sieht sich die Fachärztin Irene Bopp-Kistler tagtäglich konfrontiert. «Der Sinn des Lebens wird nicht allein durch die Hirnleistung bestimmt», pflegt sie dann jeweils zu sagen – im Wissen darum, dass das für manche Patientinnen und Patienten nur ein schwacher Trost ist.

Betroffenen respektvoll begegnen

In einer Buchpublikation mit dem Titel «Demenz. Fakten, Geschichten, Perspektiven» zeigt Irene Bopp-Kistler, gemeinsam mit weiteren Autorinnen und Autoren, auf, dass ein Leben mit Demenz nicht nur Schattenseiten aufweist, sondern auch bereichernde und beglückende Erlebnisse und Momente ermöglicht.

Demenz verunsichere uns zutiefst, hält Bopp-Kistler fest. «Die regelmässigen Meldungen von neuen und wirksamen Medikamenten wecken Hoffnungen auf den medizinischen Durchbruch.

Doch es gibt nach wie vor keinen Wirkstoff, der diese Krankheit heilen kann.» Es sei deshalb an der Zeit, den vielen direkt und indirekt Betroffenen auf fundierter Basis aufzuzeigen, was tatsächlich helfen könne. In der vorliegenden Buchpublikation erläutern namhafte Experten Fakten zu Demenzerkrankungen.

Betroffene und Angehörige berichten, was die Erkrankung für ihr Leben bedeutet. Renommierte Autorinnen und Autoren vermitteln Perspektiven auf sozialpolitischer, medizinischer, vor allem aber auf menschlicher und spiritueller Ebene und zeigen, wie man dieser Krankheit und den Betroffenen respektvoll begegnen kann.

Rechtzeitig abklären

«Noch lange nicht hinter jeder kognitiven Einschränkung versteckt sich überhaupt eine Alzheimerdemenz», macht Irene Bopp-Kistler Betroffenen Mut.

Stoffwechselstörungen, Vitaminmangel oder auch Entzündungen könnten vergleichbare Symptome von Vergesslichkeit hervorrufen, ebenso eine Depression. Nur ein Bruchteil der Patienten mit einer subjektiven Gedächtnisstörung und etwa gut die Hälfte der Patienten mit einer milden kognitiven Beeinträchtigung würden nach Jahren effektiv an einer Demenz erkranken.

«Bei einem Teil der Patienten stellen wir sogar fest, dass sich die Situation im Lauf der Zeit wieder verbessert oder wenigstens nicht verschlechtert. Eine rechtzeitige Abklärung ist deshalb auf jeden Fall sinnvoll», hält Bopp-Kistler fest.

Das Gespräch suchen

Bevor allenfalls von einer Demenz betroffene Menschen sich in ärztliche Behandlung begeben, haben sie vielfach eine lange Zeit der Verunsicherung und auch einer schleichenden Angst hinter sich.

«Sie haben sich oft in Ausreden geflüchtet, um die eigene Vergesslichkeit zu relativieren oder zu verdrängen. Oder aber sie werden wütend, weil sie zum Beispiel im Beruf nicht mehr die gewohnten Leistungen erbringen können», weiss Irene Bopp-Kistler aus langjähriger Erfahrung.

Manche würden sich auch schämen, die Konfrontation suchen oder Rechtfertigungen für ihr Verhalten vorbringen.

In der Mehrheit der Fälle führe die klare Diagnosestellung aber zu einer Milderung der Symptome, so Bopp-Kistler. «Klarheit bringt Erleichterung, auch wenn die Diagnose schwerwiegend ist. Man erfindet nicht eine Diagnose, sondern man gibt quälenden Symptomen einen Namen.»

Über die Krankheit...

...sollten insbesondere auch die Angehörigen gut Bescheid wissen, betont Bopp-Kistler. «Das Wissen (zum Beispiel, dass Menschen mit Demenz oft keine Krankheitseinsicht haben) ermöglicht einen Umgang, der weniger schmerzhaft ist.»

Dass mit ihnen gesprochen werde, sei für viele an Demenz erkrankte Menschen zentral. «Wenn das Gespräch mit einem Kranken nicht mehr möglich ist, gibt es immer noch die Seelensprache, leise oder gar ohne Worte, nur mit einer Gebärde ausgedrückt.»

Momente der Freude wahrzunehmen und Gelegenheiten für Geborgenheit zu schaffen, könne eine fruchtbare Atmosphäre während der Krankheitsphase schaffen, sagt die Fachärztin.