Cluster-Kopfschmerzen treten unvermittelt und mit unerträglich starkem Schmerz typischerweise gehäuft («Cluster» = Gruppe, Haufen) einseitig um das Auge herum auf. Dabei kommen sie viel seltener als Migräneschmerzen vor. Während die Migräne mehr Frauen trifft, kommt der Cluster-Kopfschmerz häufiger bei Männern vor, insbesondere bei Rauchern.

Schwierige Diagnose

PD Dr. med. Andreas Gantenbein, Präsident der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft SKG, erklärt den Cluster-Kopfschmerz so: «Dieser Kopfschmerz wird von Patienten beissend oder bohrend empfunden und häufig mit einem glühenden Messer, das ihnen ins Auge gestochen wird, verglichen.


Vor allem treten die intensiven Schmerzattacken im Frühjahr oder Herbst auf, beginnen unvermittelt im Schläfen- und Augenbereich und sind stets einseitig lokalisiert.
 

Dabei werden sie von Symptomen begleitet, wie einer einseitig tränenden, geröteten Augenbindehaut, laufender oder verstopfter Nase, enger werdender Lidspalte und Pupille sowie in einzelnen Fällen einem herabhängenden Augenlid.» Und weiter grenzt Gantenbein diesen Kopfschmerz zur Migräne ab: «Bewegungsdrang, körperliche Unruhe zeichnen dieses Krankheitsbild, im Gegensatz zur Migräne, wo der Patient sich in die Ruhe zurückzieht.

Charakteristischerweise dauern die Anfälle über Wochen zwischen 15 Minuten bis 3 Stunden, danach bleiben sie während Monaten wieder vollständig aus. Wohingegen die Migräneattacken häufig länger und über die Zeit verteilter andauern.

Durch die Erhebung der Krankengeschichte und aufgrund der beobachteten spezifischen Symptome kann die Krankheit zu den übrigen Kopfschmerzen abgegrenzt und erkannt werden. Erst dann kann die richtige Therapie eingeleitet werden.»

Ursache und Therapie

«Die Ursachen sind eigentlich nicht geklärt. Für die Attacken verantwortlich gemacht wird eine Störung im Hypothalamus. Zudem spielt wahrscheinlich auch die Genetik eine Rolle», führt Gantenbein weiter aus. Auslöser für Anfälle, jedoch nicht Ursache, können Alkohol oder zum Beispiel Histamineinnahme sein. Zur Therapierung meint Gantenbein: «Bei den Cluster-Kopfschmerzen muss im Sinne einer Akutbehandlung sofortige Wirkung erzeugt werden.

Der Cluster-Kopfschmerz spricht zwar auf die gleichen Medikamente wie die Migräne an. Während jedoch bei der Migräne die Tablettenform reicht, müssen wir bei der Cluster-Kopfwehattacke rasch wirkende Triptane im Sinne einer subkutanen Injektion oder als Nasenspray verordnen.

Zur Vorbeugung und bei chronischem Cluster-Kopfschmerz ist das Mittel der ersten Wahl die Substanz Verapamil; hier sind jedoch vorgängig Kontrollen der Herztätigkeit nötig.» Dabei sei laut Gantenbein dieser Kopfschmerz zwar in seiner Intensität behandelbar, jedoch durch medizinische Massnahmen nicht heilbar.

Einatmen von reinem Sauerstoff

Gemäss Gantenbein gibt es eine weitere, unterstützende Massnahme: das Einatmen von reinem Sauerstoff. «Die Therapie mit Sauerstoff ist relativ weit verbreitet. Bei der hohen Kosteneffizienz (gegenüber Triptanen) sowie der schnellen Wirksamkeit von knapp 80 Prozent der Attacken empfehlen wir, diese Behandlung vermehrt in Betracht zu ziehen», erklärt er.

Ausblick Antikörperstudien

«Ein grosser Hoffnungsträger für die vielen leidenden Patienten sind vier verschiedene Antikörperstudien im Bereich Migräne und Cluster-Kopfschmerzen, die momentan laufen», informiert Gantenbein. «Dazu gehört die neue Substanzklasse der sogenannten CGRP-Antikörper, die in der Studie vielversprechende Wirkungen zeigten.

Nun gilt es diese Wirksamkeit zu belegen und insbesondere auch die Langzeitsicherheit zu gewährleisten. Auch Schweizer Zentren haben sich an den internationalen Studien beteiligt», meint Gantenbein weiter.

Konsultation Facharzt

«Leider haben wir immer noch eine grosse Dunkelziffer an Menschen, die unter Cluster-Kopfschmerzen leiden. Oft sind sie unwissend oder stützen sich auf eine Fehldiagnose. Im Durchschnitt dauert es bei den Patienten mit Cluster-Kopfweh rund sieben bis zehn Jahre, bis sie zur Diagnose kommen, sie hoffen wahrscheinlich auch immer wieder nach jeder Attacke, dass es sich nicht mehr wiederholen wird», weiss Gantenbein besorgt und rät weiter:


«Konsultieren Sie frühestmöglich den Fachspezialisten, sodass mit der richtigen Diagnose und Therapiebehandlung die Schmerzen sofort angegangen und reduziert werden können.»