«Schlafprobleme haben definitiv zugenommen», sagt Dr. Arto Nirkko. Ein Grund dafür könne die Arbeitsbelastung vieler Menschen sein. Wer dauernd unter Druck ist und daran denkt, was er am nächsten Tag alles erledigen muss, kann nicht gut schlafen.

Ein anderer Umstand, der die Menschheit schon länger wachhält, ist das elektrische Licht. «Im Mittelalter konnten sie nach Einbruch der Dunkelheit, ausser Geschichten erzählen vor dem Kaminfeuer, nicht mehr viel machen», lacht Arto Nirkko.

Heute haben alle die Möglichkeit, rund um die Uhr zu arbeiten, in den Ausgang zu gehen und sich mit Licht-intensiven Geräten zu beschäftigen. Besonders das Licht mit hohem Blauanteil, das von Fernsehern, Computern und Handys ausgeht, hält den Menschen wach.

Wann wird ein Spezialist gebraucht?

Die meisten Patienten kommen zum Facharzt wegen Problemen, wie Schnarchen, Insomnie (Schlaflosigkeit) und in wenigen Fällen wegen dem Restless-Legs-Syndrom. Hierbei handelt es sich um ein Kribbeln und Zucken in den Beinen, das einen vom Schlafen abhält. Die Häufigkeit einer Diagnose hänge aber auch damit zusammen, wie bekannt eine Störung ist, sagt Arto Nirkko.

Das Restless-Legs-Syndrom sei in Städten eher ein Thema als auf dem Land. Weitere Symptome, die auf eine Schlafstörung hindeuten, sind starke Müdigkeit tagsüber und das Gefühl, man könne in der Nacht nicht richtig schlafen: «Es gibt Leute, die erzählen mir, sie hätten seit 20 Jahren nicht mehr geschlafen.» Dies ist an sich unmöglich, da ein Mensch nur wenige Tage komplett ohne Schlaf auskommt, aber man hat das subjektive Gefühl, nicht schlafen zu können. Die Betroffenen schlafen oft in sehr kurzen Intervallen und wachen ständig während der Nacht auf. Andere haben mehr Probleme mit dem Einschlafen und liegen im Bett wach oder wachen zu früh auf.

Eine vorübergehende Schlaflosigkeit kann auch völlig normal sein. Während belastender Zeiten im Leben, wenn zum Beispiel jemand gestorben ist oder man sich gerade vom Partner getrennt hat, ist es legitim, dass der Schlaf beeinträchtigt ist. Sollten die Probleme aber länger als ein bis zwei Wochen andauern, kann sich eine sogenannte «erlernte Schlafstörung» entwickeln. Hierbei verpasst der Patient den Moment, in dem die belastende Lebenssituation eigentlich vorüber wäre, und das gestörte Schlafverhalten wird zum Selbstläufer. Es gibt allerdings gute Behandlungsmöglichkeiten, welche in den meisten Fällen von der Krankenkasse gedeckt sind. Mit kognitiven Verhaltenstherapien trainiert man das angelernte Verhalten wieder um.

Die allgemeine Behandlung einer Schlafstörung ist sehr individuell und braucht eine genaue Abklärung der Ursachen. Wer bei einer leichten Störung selbst etwas unternehmen möchte, kann zum Beispiel gewisse Substanzen vom Speiseplan streichen. Alkohol ist generell schlecht. Er macht zwar schläfrig, lässt aber den Schlaf unruhiger und kürzer werden. Beim Koffein kommt es allerdings auf die Gene an: «Gewisse Menschen können den ganzen Tag Kaffee trinken und es macht ihnen nichts, andere sollten ab 14 Uhr damit aufhören», sagt Arto Nirkko. Ausserdem sollte darauf geachtet werden, dass im Bett nur geschlafen wird. Alle weiteren Aktivitäten, wie fernsehen, Computer spielen oder sogar arbeiten, sorgen dafür, dass unser Gehirn das Bett nicht mehr mit dem Thema Schlafen in Verbindung bringt und es schwieriger wird, sich zu entspannen.