Burnout wurde erstmals 1974 vom New Yorker Psychiater und Psychoanalytiker Freudenberger beschrieben. Er hat ein psychisches und körperliches Erschöpfungssyndrom beobachtet, welches vor allem bei Arbeitstätigen in helfenden Berufen nach langfristiger emotionaler Überbelastung am Arbeitsplatz zu einem Verlust der Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns geführt hat. Die Arbeitspsychologen Maslach und Jackson haben 1981 das Burnout-Syndrom als arbeitspsychologisches Konzept etabliert und die Elemente verminderte Leistungsfähigkeit, emotionale und körperliche Erschöpfung, gleichgültige, negative und zynische Haltung gegenüber der Arbeit und den Mitmenschen sowie die Überzeugung, beruflich versagt zu haben und überfordert zu sein, beschrieben. Sie haben auch skizziert, wie sich chronischer Arbeitsstress auf die Psyche und den Körper auswirken können: a) erste Warnzeichen wie gesteigerter Einsatz, Überstunden, Erschöpfung oder vegetative Überreaktion, b) reduziertes Engagement, weniger soziale Interaktion, negative Einstellung zur Arbeit, Konzentration auf eigenen Nutzen, c) emotionale Reaktionen wie Versagensängste, Pessimismus, Leere, Hoffnungslosigkeit, Energiemangel, Gefühl von Hilflosigkeit, Schuldzuschreibung an andere beziehungsweise ‹das System›, d) Abnahme von kognitiver Leistungsfähigkeit, Motivation, Kreativität und Differenzierungsfähigkeit, e) Abflachen des emotionalen und sozialen Lebens und Interessen, f) psychosomatische Reaktionen wie Schmerzen, Schlafstörungen, fehlende Erholung, veränderte Essgewohnheiten, Substanzgebrauch und g) Gefühle von Verzeiflung und Sinnlosigkeit bis hin zu einer eigentlichten Depression.

Druck am Arbeitsplatz

Burnout ist weit verbreitet. Die wohl beste diesbezügliche Untersuchung stammt von Ahola und Mitarbeitern, welche 2005 in einer gross angelegten Untersuchung in Finnland bei der arbeitenden Bevölkerung eine Häufigkeit von 25 Prozent für leichte bis mittelschwere und von 2–3 Prozent für schwere Formen von Burnout festgestellt haben. Gemäss Seco hat in der Schweiz der subjektiv empfundene Stress am Arbeitsplatz in den letzten zehn Jahren um ca. 30 Prozent zugenommen.

«Gemäss Seco hat in der Schweiz der subjektiv empfundene Stress am Arbeitsplatz in den letzten zehn Jahren um ca. 30 Prozent zugenommen.»

Die wichtigsten Faktoren dafür sind Zeitdruck, unklare Anweisungen, soziale Diskriminierung sowie Arbeit in der Freizeit; auf der anderen Seite hat sich das Führungsverhalten der Vorgesetzten als Schutzfaktor erwiesen. Dies deckt sich mit empirischen Forschungen, etwa von Siegrist und Mitarbeitern in den 1990er Jahren, welche die Balance zwischen der beruflichen Gratifikation in Form von Lohn, Aufstiegsmöglichkeiten, Wertschätzung etc. und den Anforderungen und Verpflichtungen als zentrales Element sehen.

Es wird heute diskutiert, ob Burnout und Depression unterschiedliche Erkrankungen oder einfach verschiedene Begriffe für die gleiche Erkrankung sind. Letztlich spielt dies gar nicht so eine grosse Rolle: Die Ursachen, Symptome, Auswirkungen und Behandlung sind praktisch identisch. Aufgrund der typischerweise häufigen körperlichen Begleitsymptome von Depressionen, ähnlich wie bei Burnout, werden diese oft nicht oder erst spät erkannt und deswegen nicht, zu spät oder nicht adäquat behandelt. Dies ist insbesondere deshalb bedauerlich, weil Depressionen zu den häufigsten, schwersten und gefährlichsten Erkrankungen überhaupt gehören. Sie haben eine enorm hohe Mortalität – durch Suizid, aber auch durch die Verschlimmerung von körperlichen Erkrankungen – und gehören gemäss WHO zu den drei global volkswirtschaftlich folgenschwersten und teuersten Krankheiten überhaupt.