Stress und Hektik gehören für viele Menschen mittlerweile zur Tagesordnung. Der volle Terminkalender, der Druck im Job, die Erwartungen zu Hause, Gespräche mit dem Chef, die obligatorischen Weiterbildungen – von Work-Life-Balance kann oft keine Rede sein. Wenn der Stress sich im Alltag einnistet, setzt man aber nicht nur die Nerven und das Sozialleben aufs Spiel. Auch die Gesundheit leidet darunter, wenn der Körper ­immer unter Hochspannung läuft. Eine der häufigsten Folgen von Stress ist ein ­Reizmagen. Dies sollte nicht überraschen wenn man bedenkt, dass der Verdauungsapparat mit ungefähr 100 Millionen Nervenzellen dicht besiedelt ist, sogar ebenso dicht wie das Rückenmark. Zudem besteht eine direkte Verbindung zwischen dem Darmtrakt und dem Emotionszentrum im Gehirn. Sind die Nerven am Ende, schlägt das auch auf den Magen. Wie eng der Magen und das seelische Wohlergehen verknüpft sind, zeigen auch die vielen Sprichwörter, die wir in unsere Sprache aufgenommen haben: Beispielsweise sprechen wir von Schmetterlingen im Bauch bei Aufregung und Verliebtheit. Ebenso sehr wie Verliebtheit kann sich auch Stress negativ auf den Verdauungstrakt auswirken. Typische Symptome hierfür sind Blähungen, ein anhaltendes Völlegefühl sowie saures Aufstossen – der Reizmagen eben.

Oft ohne sichtbare ­Erkrankung
Wenn der Magen gegen die hektische Lebensweise rebelliert, kann ein Arzt oft keine eindeutige Diagnose stellen. So gehört ein Reizmagen zu den sogenannten funktionellen Erkrankungen: Das Organ verändert sich nicht krankhaft, sondern funktioniert nicht so, wie es sollte. Dass keine sichtbare Erkrankung des Magens vorliegt, hilft dem Leidenden herzlich wenig.  Im Gegenteil: Teilweise tingeln die Patienten mit ihren Symptomen von Arzt zu Arzt und verlieren allmählich das Vertrauen in die Medizin. Besonders Sodbrennen kann im Alltag richtig eklig sein. Dies ensteht, wenn die aggressive Magensäure in die sensible Speiseröhre zurückfliesst und dort brennt. Normalerweise verhindert ein Schliessmuskel das Zurückfliessen der Magensäure. Funktioniert dieser schlecht oder hat es im Magen zu viel Säure, kommt es zu Sodbrennen oder saurem ­Aufstossen.

Beruhigung und besser essen
Wer gegen seinen Reizmagen ankämpfen will, muss viele Faktoren berücksichtigen. Einerseits sollte man seine Lebensführung genau unter die Lupe nehmen: Welcher Stress liesse sich vermindern? Welchen Konflikten könnte man aus dem Weg gehen? Wo könnte man ein bisschen Ruhe tanken und sich erholen? Aufregung führt nicht nur dazu, dass der Magen zu viel Säure produziert. Stresshormone haben auch negative Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem: Die Darmaktivität wird heruntergefahren.  
Andererseits sollte man auch jene Nahrungsmittel meiden, die den Magen zur Säureproduktion anregen. Dazu gehören fettige, stark gewürzte Speisen, Koffein und Alkohol. Aber auch Kohl, Paprika und Bohnen können schaden. Wer leichte, verträgliche Kost isst, ausgiebig kaut und kleine Mahlzeiten zu sich nimmt, beruhigt seinen Reizmagen. Ruhige sportliche Betätigung wie Yoga oder ein Spaziergang entspannen und können Beschwerden lindern. Lokale Wärme, beispielsweise von einer Wärmeflasche oder einem feuchten, warmen Tuch, helfen hier ebenfalls. Bei Durchfall ist zudem wichtig, viel zu trinken. Geeignet sind hierfür Tees oder Wasser ohne Kohlensäure.

Pflanzen helfen dem Magen
Durch die Jahre haben sich auch viele pflanzliche Heilmittel im Kampf gegen die Säure bewährt. Fenchel, Kümmel, Kamille, Pfefferminze, Hopfen oder Anis sind als Tee oder als Pflanzenextrakte hilfreich und können beruhigen, Krämpfe lösen und  entspannen. Pfefferminzöl kann sogar in Kapselform eingenommen werden. Neben Tees gibt es auch Arzneimittel auf pflanzlicher Basis, die mit Bitterer Schleifenblume, Mariendistel, Schöllkraut oder Süssholz den Reizmagen entspannen. Das Wichtigste im Kampf gegen einen Reizmagen ist jedoch, aktiv gegen Stress vorzugehen. Ob Sport an der frischen Luft, ein gutes Buch vor dem Kamin oder eine wohltuende Massage – jeder weiss am besten selbst, was ­Körper und Seele gut tut.