Herr Dr. Hauser, was ist eine Vaskulitis?

Vaskulitis kommt aus dem Lateinsichen und bedeutet Entzündung der Blutgefässe. Entzündet können sowohl kleine also auch mittlere und grosse Blutgefässe sein. Wir wissen, dass es sich bei den verschiedenen Formen von Vaskulitits um Krankheiten des Abwehssystems handelt, auch Autoimmunkrankheiten genannt. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen.

Wer ist vorwiegend davon betroffen?

Hier zeigt sich kein klarer Altersgipfel. Vom Kind bis zum älteren Erwachsenen können alle betroffen sein. Gewisse Vaskulitisformen wie etwa Morbus Kawasaki und Purpura Schönlein-Henoch, kommen überwiegend im Kindesalter vor. Die klassische Riesenzellarteritis hingegen, betrifft nur Erwachsene jenseits des 50. Lebensjahres.

Man unterscheidet zwischen der primären und sekundären Vaskulitis. Können Sie uns das näher erklären?

Eine primäre Vaskulitis ist eine eigenständig Autoimmunerkrankung, wobei das Immunsystem fehlgeleitet ist, ohne dass eine andere Krankheit oder ein Erreger die Krankheitsvorgänge auszulösen scheint.. Die Ursachen hierfür sind noch unbekannt.

$Die sekundäre Vaskulitis entsteht im Rahmen anderer Grunderkrankungen, z.B. Infektionen oder als Nebenwirkungen von Medikamenten und bestimmten Stoffen. Der Schweregrad der Vaskulitis reicht von mild bis zu sehr ernsthaft und lebensgefährlich.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Vaskulitis?

Da grosse und kleine Blutgefässe den ganzen Körper versorgen, wirkt sich eine Vaskulitis häufig auf mehrere Organe aus. So können etwa Nieren, Lunge, Haut, Nerven und Augen betroffen sein. Die Symptome sind dementsprechend sehr vielfältig.

Eine Schädigung der Lunge kann etwa Kurzatmigkeit und Bluthusten verursachen, eine Nervenschädigung kann zu Empfindungsstörungen, Schwäche und Lähmungen in Händen und Füssen führen.

Eine  vaskulitische Hautschädigung wiederum kann sich durch rote Flecken (Purpura), Knoten oder Geschwüre zeigen. Eine Vaskulitis der Niere ist besonders tückisch, da sie lange Zeit unbemerkt bleibt und die Nieren schwer schädigen kann. Allgemeine Anzeichen von Vaskulitis sind unter anderem Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Leistungsabfall, Fieber, Gelenkschmerzen und nächtliches Schwitzen.

Weshalb wird die  Krankheit oftmals erst spät diagnostiziert?

Das Tückische an den Vaskulitiden ist die Tatsache, dass die Symptome so vielfältig sind und manchmal auch wieder über längere Zeit verschwinden. Gleichzeitig ist eine frühe Diagnose und Behandlung aber so wichtig, um permanente Organschäden zu verhindern.

Wie wird eine Vaskulitis behandelt?

Die Vaskulitis ist zwar nicht heilbar, kann jedoch in den meisten Fällen gut behandelt werden. Meist kommen Kortikosteroid-Präparate zusammen mit anderen Immunsuppressiva zum Einsatz. Sie wirken entzündungshemmend und immunsuppressiv, das heisst sie bremsen das auf Hochtouren arbeitende Immunsystem.

Häufig kommt es auch nach vielen Jahren noch zu Rückfällen, weshalb zurzeit mehrere neue Medikamente in wissenschaftlichen Studien geprüft werden. Auch wenn die Gefässentzündung oft nicht geheilt werden kann, ist ein weitgehend beschwerdefreies Leben möglich. Oft kommt es allerdings zu Rückfällen. Diese sollten früh erkannt und behandelt werden.