„Der Mensch ist so alt wie seine Gefässe", sagte der berühmte deutsche Pathologe Rudolf Virchow (1821-1902).

Frau Prof. Amann, was ist dran an diesem Satz?
Tatsächlich entwickelt sich bei fast jedem Menschen im Laufe des Lebens eine Arteriosklerose . Vor dem 40. Lebensjahr kommt diese sehr selten vor. Risikofaktoren wie ungesunde Ernährung, hoher Blutdruck, Diabetes mellitus, ein hoher Cholesterinspiegel, Übergewicht und Rauchen können die Entwicklung einer Arteriosklerose beschleunigen.

Eine Arteriosklerose kann sich in allen Arterien des Körpers entwickeln, bevorzugt entsteht sie aber in den Halsschlagadern, an den Herzkranzgefässen und an den Becken-Beinschalgadern.

Bei einer Arteriosklerose kommt es zur Verengung der Arterien. Die Folge: Der Blutfluss ist eingeschränkt oder schlimmstenfalls ganz unterbrochen. Welches sind die Folgen?
Je nachdem welche Arterie betroffen ist, kann dies unterschiedliche Folgen haben. Am Herzen können diese Angina Pectoris oder Herzinfarkt sein, wenn die Hirnschlagadern befallen sind, kommt es zum Hirnschlag, sind die Beinarterien betroffen, ist die Folge die sogenannte Schaufensterkrankheit oder im Endstadium das „Raucherbein“.

Was versteht man unter der Schaufensterkrankheit?
Die Betroffenen spüren beim Gehen krampfartige Schmerzen in den Beinen und müssen deshalb stehen bleiben. Häufig tun sie dies vor einem Schaufenster, um nicht aufzufallen. Beim Stehenbleiben verschwinden die Schmerzen rasch.

Ohne Behandlung kann die Krankheit fortschreiten, bis die Beine auch in Ruhe und im Liegen schmerzen. Bei sehr schweren Durchblutungsstörungen kann es durch den Sauerstoffmangel zum Absterben von Gewebe kommen („Raucherbein“).

Um schwere Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist eine frühzeitige Diagnose der Arteriosklerose wichtig . Welche Therapieoptionen stehen im Vordergrund?
Primär kann man durch eine Änderung der Lebensweise die Entwicklung beziehungsweise das Fortscheiten einer Arteriosklerose verlangsamen. Dabei sollte man auf eine gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung achten, nicht rauchen, hoher Blutdruck und Cholesterin behandeln.

Besonders gefährdet sind Diabetes Typ 2 Patienten. Eine adäquate Behandlung des Diabetes ist deshalb sehr wichtig.

Bei Arteriosklerose ist es zentral, die oben genannten Risikofaktoren zu behandeln, damit das Fortschreiten der Erkrankung verringert  werden kann.