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Da in der Schweiz die jährlich anstehende Grippewelle noch nicht begonnen hat, empfehlen Experten, sich rechtzeitig impfen zu lassen.

Bis der Schutz komplett aufgebaut ist, dauert es rund zwei Wochen, und dieser sollte grundsätzlich von allen Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken sowie Bewohnern von Alters- oder Pflegeheimen wahrgenommen werden.

Das Team um den Forscher Mark Davis von der kalifornischen Stanford-Universität in den USA untersuchte vor einiger Zeit die Reaktionen von 53 Frauen und 34 Männern jeder Altersgruppe auf die gängigen Grippe-Impfungen. Das unerwartete Ergebnis dieses Experiments legen die Forscher nun in den «Proceedings» der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften («PNAS») dar.

Demnach leiden die Männer deutlich stärker unter Erkältungskrankheiten als Frauen – und das aufgrund eines kleinen Unterschieds. Denn in Bezug auf Erkältungskrankheiten ist das weibliche Immunsystem dem männlichen anscheinend voraus.

Die Forscher fanden heraus, dass die Reaktion des weiblichen Immunsystems stärker ausfällt als die des männlichen. Der Grund dafür sind ihrer Studie zufolge Gene, deren Aktivität wahrscheinlich durch das männliche Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst wird.

Warum die körpereigene Abwehr von Frauen stärker reagiere, sei bisher unklar gewesen, doch nun liess sich nachweisen, dass das weibliche Immunsystem eine stärkere Abwehrreaktion zeigte und im Anschluss der Grippeimpfung mehr Zytokine und Antikörper produzierte – insbesondere bei der Impfung gegen den aggressiven Grippeerreger H3N2.

Die bessere Abwehrreaktion durch die Produktion der für das Immunsystem sehr wichtigen Eiweisse Zytokine und Antikörper bedeutet natürlich auch weniger Anfälligkeit gegen die Krankheit. So können Frauen zwar aufgrund ihrer Immunabwehr folglich eher Schnupfen bekommen, aber ihr Krankheitsverlauf fällt weniger stark aus.

Das Ergebnis ist jedoch nicht überraschend: Frühere Studien, die bereits den Krankheitsverlauf und das Empfinden der Symptome bei Erkrankungen wie Grippe, Gelbfieber, Masern und Mumps analysierten, kamen bereits zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Impfungen bei Frauen und Männern unterschiedlich ausfallen können. 

Die Erklärung der Wissenschaftler hierfür basiert auf dem Nachweis des mit dem Fettstoffwechsel zusammenhängenden Genverhaltens, welches ebenfalls für die verminderte Beteiligung der Immunsystem-Reaktion bekannt ist. Nach Ansicht der Autoren reagieren diese Gene verstärkt auf das männliche Sexualhormon Testosteron. Dies belegten sie durch den Nachweis, dass Männer mit erhöhtem Testosteronspiegel in den Versuchen eine schwächere Immunantwort auf die Grippeimpfungen zeigten.

Davis spekuliert, dass das männliche Hormon Testosteron als Immundämpfer innerhalb des Evolutionsverlaufs eventuell Vorteile geboten hat, da es das Immunsystem der häufiger von Verletzungen und Infektionen bedrohten Männer vor Überreaktionen bewahrt haben könnte.