Herr Dr. Hauser, können Sie uns erklären, was der Unterschied zwischen einem Immundefekt und einer Autoimmunerkrankung ist?

Autoimmunerkrankungen und Allergien entstehen bei einer Fehlsteuerung oder Überfunktion des Immunsystems. Ist das Gegenteil der Fall, eine Unterfunktion, sprechen wir von einem Immundefekt.

Welche Symptome zeigen sich bei einem Immundefekt?

Verdächtig ist, wenn man mehrere Infektionskrankheiten im Jahr hat, die eine Behandlung mit Antibiotika erfordern. Auch sehr schwere Infektionen durch Bakterien oder mehrere Lungenentzündungen können Warnzeichen eines Immundefekts sein.

Für die Diagnose werden verschiedene Arten von  Antikörpern im Blut bestimmt. Diese werden nicht nur einmalig, sondern wiederholt gemessen, da andere Krankheiten zum vorübergehenden Abfall führen können. 

Bei Patienten mit einem Immundefekt sind dauerhaft zu wenige oder keine Immunglobuline vorhanden.

Die meisten Patienten mit einem primären Immundefekt im erwachsenen Alter haben ein sogenannt variables Immundefekt-Syndrom. Was versteht man darunter?

«Variabel» wird diese Erkrankung bezeichnet, da an verschiedenen Stellen des Immunsystems Defekte vorkommen können, welche aber alle zu einem Mangel an Immunglobulinen führen. Häufig leiden diese Patienten an immer wiederkehrenden Infekten der Luftwege und des Darmes.

Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen bei einem solchen Immundefekt zur Verfügung?

In jedem Fall müssen die fehlenden Immunglobuline ersetzt werden, um weitere Infektionskrankheiten zu verhindern.

Diese werden entweder von einer Fachperson alle drei bis fünf Wochen in die Vene gespritzt oder der Patient führt sich, nach eingehender Schulung, die Immunglobuline einmal pro Woche selbst zu. Dabei wird Immunglobulin von einer kleinen Pumpe über eine Nadel unter die Haut ins Fettgewebe befördert.

Bei einer Autoimmunerkrankung ist die Ursache eine überschiessende Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe. Welche Krankheiten können die Folge sein?

Die häufigsten Autoimmunkrankheiten sind die Polyarthritis, aber auch Diabetes und Schilddrüsenentzündungen. Lupus und Vaskulitis sind ebenfalls typische Beispiele einer komplexen Autoimmunkrankheit, da verschiedene Organe betroffen sind.

Hier spricht man von systemischer Autoimmunerkrankung. Bei Lupus sieht das Immunsystem körpereigene Strukturen der Zellkerne fälschlicherweise als fremd an, da sie beim Absterben der Zellen zu langsam abgebaut werden.

Dies löst die schädliche Entzündung der Haut, der Gelenke, der Nieren und weiterer Organe aus.

Gehören Allergien denn auch zu Autoimmunerkrankungen?

Nein! Zwar liegt den Autoimmunerkrankungen, ähnlich wie bei Allergien, ebenfalls eine Fehlsteuerung des Immunsystems zugrunde.

Doch während bei Allergien der Körper auf harmlose, aber körperfremde Stoffe übertrieben stark reagiert, lauert der Feind bei Autoimmunerkrankungen im eigenen Organismus. Fehlgesteuerte Immunzellen greifen körpereigene Gewebe oder Zellen an.

Zum Schluss: Welchen Beitrag kann man zu einem gesunden Immunsystem leisten?

Kurz gesagt: Kleinkinder sollte man nicht zu steril aufwachsen lassen. Impfungen stärken die Immunantwort spezifisch gegen die jeweiligen Infektionskrankheiten. Generell sollte man einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, viel Bewegung, ausreichend Schlaf, wenig Alkohol und ohne Zigaretten führen!