Frau Prof. Dr. Petra Stute, Sie sind Leitende Ärztin in der Frauenklinik am Inselspital Bern und Präsidentin der Schweizerischen Menopausengesellschaft. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Menopause und Wechseljahren?

Mit Menopause bezeichnet man die letzte spontane Regelblutung im Leben einer Frau.

Unter Wechseljahren versteht man dagegen die gesamte hormonelle Umstellung, die etwa Ende 30/Anfang 40 beginnt. Meistens erkennt frau dies an einem anderen Zyklusprofil: Die Zeit zwischen zwei Monatsblutungen beginnt zu variieren, ist mal kürzer, mal länger und kann auch Lücken aufweisen.

Typisch für diese Zeit sind auch eine Vielzahl von Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweissausbrüche, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen, ebenso aber auch Muskel- und Gelenkbeschwerden, Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Jede Frau wird irgendwann mit dem Thema Wechseljahre konfrontiert, die eine schon vor 40, die andere erst gegen 50. Ist das quasi genetisch vorgegeben, oder spielen auch andere Faktoren wie etwa die Pille in früheren Jahren eine Rolle?

Die letzte spontane Monatsblutung (Menopause) tritt im Durchschnitt mit 51 Jahren auf. Der Übergang, also die Zeit der Wechseljahre, dauert rund vier bis acht Jahre.

Die Hitzewallungen können aber länger bestehen, im Schnitt siebeneinhalb Jahre, manchmal aber auch bis zu zwölf Jahren. Bei Frauen, bei denen die Hitzewallungen früh einsetzen, ist eine längere Phase der Umstellung nicht selten.

Eine von zehn Frauen merkt gar nichts von einer Zyklusveränderung: Die Regelblutung hört plötzlich spontan auf. Die Genetik spielt sicher eine entscheidende Rolle. Bezüglich Pille kann man sagen, dass deren Einnahme in jungen Jahren keinen Einfluss auf den Zeitpunkt der Wechseljahre hat.

Sind wechseljahrbedingte Beschwerden eine Krankheit, die man nach Möglichkeit behandeln sollte? Oder wäre es nicht sinnvoller, zu sagen: «Ich gehe  jetzt da durch, statt grosse Nebenwirkungen bei einer Behandlung in Kauf zu nehmen?»

Bis vor etwa 20 Jahren wurden die Wechseljahre als Hormonkrankheit angesehen und alle Frauen behandelt. Von diesem allgemeinen Grundsatz ist man nach der Veröffentlichung einer US-Studie weggekommen, weil sich auch die Risiken einer Hormonbehandlung zeigten.

Hormontherapien werden heute aber immer noch gezielt eingesetzt, wenn gewisse unangenehme körperliche Symptome infolge der Wechseljahre vorliegen. Wenn man wegen der Hormonumstellung alle halbe Stunde einen heftigen Schweissausbruch bekommt und diesen nicht mehr kontrollieren kann, stresst das viele.

Welche Formen von Therapien kommen sonst noch infrage?

Man kann eigentlich von drei Therapie-Optionen sprechen. Mit Akupunktur, Hypnosen oder auch Pflanzen können Hitzewallungen um etwa 30 Prozent verringert werden. Gar um 50 bis 60 Prozent ist dies der Fall bei Medikamenten nicht hormoneller Art.

Sie werden zum Beispiel bei Brustkrebspatientinnen angewendet, bei denen eine Hormontherapie nicht infrage kommt. Und dann besteht wie angetönt noch die Möglichkeit einer Hormonbehandlung, dank der sich rund 90 bis 95 Prozent der negativen Folgen wie Schweissausbrüche vermeiden lassen.

Die Vorbehalte gegenüber Hormontherapien sind übrigens zu Recht nicht mehr so gross. Es fand eine weitgehende Rehabilitierung statt. Risiken und Nebenwirkungen haben stark abgenommen.

Lassen sich negative Begleiterscheinungen der Wechseljahre eigentlich auch mit einer gesunden Ernährung oder mit Sport vermeiden?

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist grundsätzlich zu empfehlen, aber gegen Beschwerden der Wechseljahre reicht das alleine sicher nicht.

Sport ist ebenfalls gesund und kann zumindest die Psyche stabilisieren helfen sowie Gewichtsprobleme reduzieren.