Der Burnout hat sich heute zu einem Modebegriff entwickelt. Prominente ziehen sich zurück, um sich von ihrer Überbelastung zu erholen, Freunde, Kollegen, man selbst erkennt, mit den Anforderungen des Alltags nicht mehr zurecht zu kommen. Subsummiert wird das meist unter «Burnout». Doch was ist das überhaupt und wo liegt der Unterschied zur Depression? Professor Martin Keck beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen rund um diesen Erschöpfungszustand. «Bei den Zusammenhängen zwischen Burnout und Depression befinden wir uns in einem Kontinuum. Dabei stellt der Burnout den Anfang dar, die schwere Depression das Ende. Es ist eine fliessende Entwicklung, man kann keine klare Trennlinie ziehen. Umso wichtiger ist es, früh mit der Behandlung zu beginnen», sagt er. 

Krankheit wird anders wahrgenommen

Vor einigen Jahren war die Gruppe der Betroffenen klar ausgemacht. Menschen mit sehr stressigen Berufen und oft sozialer Komponente wie Lehrende und Krankenpflegepersonal schienen für Burnout empfänglich. Dieses Bild hat sich verändert. «Inzwischen zählen wir auch Hausfrauen zu dieser Gruppe, da diese häufig im Umgang mit Familie und Haushalt einem starken Druck ausgesetzt sind. Letztlich kann aber auch ein arbeitsloser Mensch an einem Burnout erkranken», so Martin Keck. Die Gründe dafür liegen in erster Linie in nicht erfüllten Erwartungen. Ein Manager, der seine Quartalsziele nicht erreicht, ist ebenso gefährdet wie ein Mensch, der sich selbst gestellte Vorgaben nicht erfüllt. Hinter den Erwartungen zurückzubleiben erzeugt Druck oder, besser gesagt, Stress. Und das ist letztlich ein Burnout-Auslöser. Denn langanhaltender Stress verursacht chemische Prozesse im Gehirn. Botenstoffe werden nicht mehr in ausreichendem Masse produziert, stattdessen werden Stresshormone in einer viel zu grossen Menge ausgeschüttet. «Unsere Rezeptoren, die uns über das Gleichgewicht unseres chemischen Haushaltes informieren, sind wie ausgeleiert. Die Rückmeldung über unser Befinden funktioniert nicht mehr und das bringt das gesamte System in letzter Konsequenz zum Entgleisen. Dies führt zu Erschöpfung und körperlichen Beschwerden, das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist erhöht», erläutert der Mediziner.

Anzeichen wahrnehmen

In der Absicht, dieses Entgleisen zu verhindern, hat die Medizin grosse Fortschritte gemacht. Mit einer Kombination aus Psychotherapie, Entspannungsverfahren und nebenwirkungsarmer medikamentöser Behandlung ist es möglich, die Krankheit erfolgreich zu bekämpfen. Wichtig dabei: Früh einen Arzt konsultieren. Martin Keck: «Erste Anzeichen sind gegeben, wenn keine Trennlinie mehr zwischen Beruf und Freizeit existiert. Mobiltelefone und andere Kommunikationsmittel sind da ein grosses Problem. Durch sie ist man ständig für den Arbeitgeber oder Geschäftspartner erreichbar – Abschalten wird nahezu unmöglich. Der Beruf darf niemals über Jahre zum alleinigen Hauptlebensinhalt werden.»

Hoffnung für die Zukunft

Momentan erleben Keck und seine Kollegen eine drastische Zunahme dieser Erkrankungen. Doch das muss nicht so bleiben. Er betont: «Einerseits haben wir es mit einer sich immer schneller drehenden Welt und wachsenden Anforderungen zu tun. Andererseits alarmieren die zunehmenden Ausfälle von Arbeitnehmern die Rentenkassen. Da wird in den kommenden Jahren sicher viel Aufklärungsarbeit geleistet, das könnte helfen. Die modernen Behandlungsmöglichkeiten sind mittlerweile sehr gut.» Zudem könnte die nachwachsende Generation einen gesünderen Umgang mit neuen Medien erlernen. «Das gibt Hoffnung», so Keck.