Facts

3 Fakten, die man über Allergien wissen sollte

  1. Die häufigsten Auslöser für eine Medikamentenallergie sind Penicillin und andere Antibiotika. Allerdings können auch Schmerztabletten und Kontrastmittel allergische Reaktionen hervorrufen.
  2. Für den Notfall sinnvoll – um fatale Folgen zu vermeiden soll der Allergiepass immer gut sichtbar im Portemonnaie verwahrt werden.
  3. Beim drohenden, allergischen Schock - sofort Adrenalin in den Muskel spritzen

Frau Dr. med. Dona, Allergien auf Medikamente sind Ihr Kernbereich. Wie verbreitet sind solche Allergien überhaupt?

Zuerst muss man sagen, dass die genauen Zahlen von Reaktionen auf Medikamente nicht bekannt sind, weil alle Reaktionen auf Medikamente nicht als solche eingestuft und erklärt werden. Allerdings geht man davon aus, dass ungefähr 20 Prozent der Gesamtbevölkerung eine Allergie aufweist: gleichviel, wie bei erhöhtem Blutdruck!

Hier muss man noch unterstreichen, dass man auch bei Medikamenten sehr stark zwischen Allergien und Intoleranzen unterscheiden muss, da beides überhaupt nicht dasselbe ist. Wie Sie sehen können, wissen wir noch ziemlich wenig – aber immer mehr – zu diesem Thema.

Liegt dies etwa daran, dass dieser Teilbereich der Allergologie noch relativ „jung“ ist?

Zum Teil stimmt das, aber nicht ausschliesslich. Oft werden allergische Reaktionen auf Medikamente falsch eingestuft. In diesem Bereich der Allergologie wird die Diagnose aufgrund der Symptome des Patienten gestellt, das heisst, die Symptome muss man gut kennen.

Das Wichtigste ist nämlich, bei einer Reaktion auf ein Arzneimittel zu bestimmen, ob es sich beim Patienten tatsächlich um eine Allergie oder eher um eine Nebenwirkung des Medikamentes handelt.

Somit ist eine zutreffende Diagnose nicht so einfach, wie bei z.B. bei Milben. Im Bereich Medikamentenallergien weiss man heute für Antibiotika sehr gut, welche allergischen Symptome und Reaktionen sie auslösen können.

Da diese Medikamente sehr oft verschrieben werden, konnte man sie bisher am gründlichsten untersuchen und entsprechende Alternativen finden. Es wird aber oft eine falsche Diagnose gestellt: das Wichtigste ist nämlich, bei einer Reaktion auf ein Arzneimittel zu bestimmen, ob es sich um eine Allergie oder um eine Nebenwirkung des Medikamentes handelt. Eine allergologische Untersuchung ermöglicht es, die Diagnose zutreffend zu bestimmen.

Was sollte man in solchen Fällen beim Diagnoseverfahren besonders berücksichtigen?

Man denkt immer mehr, dass Leute mit allergischer Konstitution anfälliger sein könnten auf Medikamentenallergien. Der genetische Faktor ist aber noch nicht geprüft, sodass man den diesen nicht berücksichtigen kann. Als Zweites muss der Arzt die Chronologie und Symptome der Reaktion genau kennen, um eine korrekte und zutreffende Diagnose stellen zu können. Viele Symptome einer allergischen Reaktion auf Medikamente werden an der Haut bemerkbar.

Da muss man also darauf achten, wie schnell die Reaktion eintritt. Wenn die Symptome in den ersten vier Stunden eintreten, nennt man das eine Sofortreaktion, was zu einem gefährlichen allergischen Schock führen kann. Wenn die Reaktionszeit länger ist, kann man auch davon ausgehen, dass sich der Betroffene sich nicht in einer lebensbedrohlichen Situation befindet.

Frau Dr. Dona, Sie haben vorher erwähnt, dass man für bestimmte Präparate weiss, dass sie allergische Reaktionen auslösen können. Gibt es hier keine Möglichkeit, sowas präventiv abzuklären?

Man führt diesbezüglich keine präventiven Untersuchungen durch. Allerdings führen wir diese Abklärung durch, wenn der Patient bereits einmal eine allergische Reaktion auf ein Medikament hatte und diese als solche korrekt erkannt wurde. Es gilt also wiedermal: die unterschiedlichen Symptome und Reaktionen müssen hier genau untersucht werden, sodass man eine präzise und korrekte Diagnose treffen und eine weitere Reaktion vermeiden kann. 

Und was passiert denn, wenn man auf ein Narkosemittel allergisch ist und dies vorher nicht weiss?

Für die meisten Menschen ist dies eine beängstigende Frage. Man muss hier aber auf keinen Fall Angst haben, da diese Reaktionen schon gut erforscht sind. Sollte es vorkommen, dass ein Patient während einer Operation einen allergischen Schock erleidet, haben wir einen Messwert, auf den wir zurückgreifen können, nämlich die Tryptase, um die Allergie nachzuweisen.

Und was zeigt die Tryptase?

Primär handelt es sich bei der Tryptase um einen Blutwert, den man bei Verdacht auf eine allergische Reaktion messen kann. Tryptase ist ein Stoff, der von Mastzellen ausgeschüttet wird. Mastzellen wiederum spielen eine massgebliche Rolle bei anaphylaktischen Schockreaktionen.

Da man den normalen Wert eines gesunden Patienten kennt, weiss man auch, wenn dieser erhöht ist. Somit lässt sich einfacher ableiten, was genau die Reaktion ausgelöst hat. Somit ist der Tryptasewert sehr hilfreich, um bei allergischen Reaktionen – also nicht nur bei Allergien auf Medikamenten – eine präzise und akkurate Diagnose stellen zu können.

Seit 30 Jahren sind Sie Fachärztin für Allergologie. Noch ein paar Tipps?

Prävention fängt mit einer korrekten Diagnose an. Entsprechend ist es auch die Aufgabe des Arztes, den Patienten ausreichend über das Thema und zu seiner Allergie aufzuklären und demnächst die richtigen Medikamenten zu verschreiben.

Bei Allergikern müssen die richtigen Ersatzmedikamente bekannt sein, insbesondere im Fall der Allergien auf Antibiotika. Zudem muss der Betroffene einen Allergiepass auf sich zu tragen, sodass unnötige Komplikationen vermieden werden können. Sehr wichtig ist der oben erwähnte Tryptasewert, der bei Reaktionen - wenn immer möglich - gemessen werden sollte.