Einfach spontan das essen, worauf man gerade Lust  hat, das ist für Betroffene einer Zöliakie nicht so einfach. «Beim Einkaufen, Kochen und Essen ist für Betroffene sehr viel mehr Bewusstsein nötig», erklärt Diana Studerus. Sie ist dipl. Ernährungsberaterin HF und im Vorstand der Interessensgemeinschaft Zöliakie zuständig für die Ressorts Medizin und Ernährung. Die Patientenorganisation engagiert sich für die Anliegen von Betroffenen und deren Angehörigen. Der gemeinnützige Verein ist in der Schweiz eine wichtige Anlaufstelle und liefert erforderliche Informationen zu allen Fragen rund um das Thema glutenfreie Ernährung und zum Leben mit Zöliakie.

Symptome unbedingt beachten

Bemerkbar mach sich das Leiden bei Erwachsenen und Kindern unterschiedlich. Als typische Symptome bei Kindern nennt Diana Studerus u.a. Gedeihstörung, chronische Durchfälle, vorgewölbter, geblähter Bauch, Appetitlosigkeit, Stimmungsschwankungen, Nährstoff- sowie Eisenmangel und den Mangel an Folsäure, fettlösliche Vitamine sowie B12.
Bei Erwachsenen der Eisenmangel und eine Blutarmut, sowie Müdigkeit häufiger zu beobachten sind. Zudem kommen Knochenschwund, Muskelkrämpfe, Knochenschmerzen, Depressionen, Mundwinkelentzündungen, Aphthen im Mund und Blähbauch hinzu. In einigen Fällen sind selbst Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten zu beklagen. Doch ist das nur ein Auszug aus einer langen Liste. Frau Studerus beschreibt Zöliakie daher gerne als einen «bunten Hund». Was sehr schön verdeutlicht, wie vielfältig und komplex die Auswirkungen und Facetten dieser Erkrankung sein können. Obwohl eine recht genaue klinische Beschreibung der Zöliakie bereits seit 1888 vorliegt, ist die Erkrankung bis heute nicht heilbar. Treffen kann dieses Leiden übrigens nur Menschen mit einer bestimmten genetischen Veranlagung. Frau Studerus nennt die HLA-Gewebsantigene HLA DQ2 oder DQ8 auf dem Chromosom Nr.  6. Für den Laien sind zunächst die Symptome wichtige Anzeichen.

Nur der Arzt kann eine seriöse Diagnose stellen

Wer Bauchschmerzen hat oder öfter an Verdauungsproblemen leidet, sollte in jedem Fall einen Arzt konsultieren. Eigenständig eine glutenfreie Ernährung zu beginnen, lehnt die Expertin Studerus ab. «So ist keine seriöse Diagnostik möglich». Es könnte auch sein, dass die oben genannten Symptome auftreten und es sich ‹nur› um eine Gluten-Sensitivität handelt. Der Gang zum Arzt ist daher sehr wichtig.» Leider existiert auch hier viel Irrglaube. Der IGG-Allergietest, die Bioresonanz oder Kinesiologie eignen sich zum Beispiel nicht zur Diagnose einer Zöliakie. «Eine Zöliakie kann auch nicht ‹auswachsen› oder nach einer glutenfreien  Ernährung wieder verschwinden – dies wird leider immer wieder behauptet. So werden Patienten nur in die Irre geführt», warnt Frau Studerus. Nur die Beschwerden können nach einer glutenfreien Ernährung verschwinden, die Veranlagung für die Zöliakie bleibt aber lebenslang bestehen.

App als Einkaufsberater und Restaurantführer

Der Einkauf gestaltet sich nur anfangs etwas schwieriger. Die Frage der Betroffenen lautet immer: «Was ist glutenfrei?» «Auswärts essen braucht dann viel Vertrauen», erklärt die Ernährungsberaterin. Hilfreich ist hier die App der IG Zöliakie. Mit deren Hilfe lässt sich ganz einfach ein verlässliches Restaurant finden, das glutenfreie Gerichte anbietet. Wichtige Informationen finden sich zudem in zahlreichen Blogs und Foren im Internet oder auf www.zoeliakie.ch. «Wichtig ist, dass man sich informiert und immer wieder den Kontakt zu Betroffenen sucht», erklärt Diana Studerus und relativiert abschliessend: «Mit der Zeit kennt man aber die geeigneten Produkte und dann wird es auch einfacher.»

Gluten Sensitivity

Was ist das? Gluten Sensitivity ist eine nicht-allergische glutenbedingte Funktionsstörung. Sie kann plötzlich und in jedem Alter auftreten.Gluten Sensitivity ist eine Form von symptomatischer Intoleranz gegenüber Gluten, d.h. eine Reaktion auf die Aufnahme von Gluten bei Fällen in denen Zöliakie und Weizenallergie ausgeschlossen wurden.In der Regel treten Symptome einige Tage oder Stunden nach dem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel auf.

Untersuchung: Gluten Sensitivity kann derzeit, im Unterschied zu Zöliakie und Weizenallergie, nur klinisch diagnostiziert werden, durch ein Ausschlussverfahren, welches zunächst eine Zöliakie und eine Weizenallergie ausschließt. Dann kann eine glutenfreie Diät versucht werden.

Symptome: Magen-Darm-Beschwerden, Völlegefühl, Durchfall, Bauch-, Kopf-, Glieder- oder Muskelschmerzen, Blähungen und Übelkeit. Aber auch darüber hinaus leiden Betroffene beispielsweise unter Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Gliedern.

Verbreitung: Hierzu gibt es noch keine genauen Studien, allerdings gibt es hier eine hohe Dunkelziffer. Es wird geschätzt, dass Gluten Sensitivity viel häufiger als Zöliakie auftritt und daher ist der glutensensitive Bevölkerungsanteil bei weitem größer als die Gruppe der Zöliakiebetroffenen. Die Diagnose erfolgt nach dem Ausschlussverfahren. Konnte eine Zöliakie und eine Weizenallergie ausgeschlossen werden und tritt bei einer glutenfreien Diät Besserung ein, kann man von einer Gluten Sensitivity ausgehen.