Draufgänger bezeichnet. Vor 13 Jahren wurde Ihnen ein Motorradunfall zum Verhängnis. Mit welchen Folgen waren Sie da konfrontiert?
Ich erlitt eine komplette Querschnittlähmung unterhalb des fünften Brustwirbels. Unterhalb der Brustwarzen habe ich keine Sensibilität mehr und kann meine Muskeln nicht mehr einsetzen. Mein Körper funktionierte ab sofort völlig anders und ich musste lernen, mit diesem neuen Körpergefühl umzugehen. Teilweise habe ich mich dabei wie ein kleines Kind gefühlt.
 

 

Wie sind Sie mit diesem schweren Schicksalsschlag umgegangen?
Für mein Leben hatte ich zuerst keine Perspektive mehr. Alle Ziele und Träume schienen vorbei zu sein und ich wurde mit Grenzen konfrontiert, die ich nicht kannte. Als Sportler wusste ich aber, was es heisst, zu kämpfen. Entscheidend war für mich, dass ich mich ziemlich schnell wieder nach vorne orientierte. Ich setzte mir Ziele und versuchte, diese mit vollem Einsatz zu erreichen. Sehr rasch merkte ich, dass auch mit dem Rollstuhl noch sehr vieles möglich ist. Grenzen entstehen immer zuerst im Kopf. Heute führe ich ein ganz normales Leben. Da habe ich viele Möglichkeiten. Aber nur so lange, wie ich mich nicht über meine Defizite ärgere.
 

«Der Unfall war ein Schock für mich.»
 

Sie haben nach wie vor Träume und Ziele, die Sie erreichen wollen. Woher nehmen Sie die Kraft dazu?
Mein christlicher Glaube ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Daraus schöpfe ich Kraft. Dann gibt mir meine Familie Kraft, ganz besonders meine Frau Stephanie. Ohne sie wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Schliesslich macht mich mein Charakter zu dem, der ich bin. Ich suche und brauche immer noch die Herausforderung.
 

 

Welche Rolle spielt der Sport heute in Ihrem Leben?
Der Rollstuhl sollte nie ein Grund sein, dass ich nicht mehr Spitzensport betreiben kann. So bin ich auf Umwegen zum Monoskifahren gekommen. Ziel sind aber nicht nur Siege und Podestplätze. Vielmehr will ich versuchen, der Perfektion so nahe wie möglich zu kommen. Das ist meine grösste Herausforderung.
 

 

Wie können Sie Ihre sportliche Karriere und Ihren Beruf vereinbaren?
Das Wichtigste ist mein Arbeitgeber, die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung. Ich kann meine Arbeitszeit sehr flexibel einteilen und für Trainings und Wettkämpfe problemlos frei bekommen. Leider ist es schwierig, als Behindertensportler mit dem Sport Geld zu verdienen. Dank der grosszügigen Unterstützung der Paraplegiker-Stiftung stehen wir als Randsportart aber nicht so schlecht da.
 

 

Wie bewältigen Sie heute Ihren Alltag?
Da bin ich absolut selbständig. Den Rollstuhl brauche ich als Hilfsmittel, um mich fortzubewegen – wie andere eine Brille benötigen, um besser zu sehen. Klar gibt es Situationen, wo ich auf Hilfe angewiesen bin. Etwa beim Einkaufen, wenn ich ein Produkt hoch oben im Regal nicht erreichen kann. Das schränkt mich aber in meiner Selbständigkeit nicht ein. Zudem habe ich meinen Alltag so eingerichtet, dass das, wenn überhaupt, nur sehr selten vorkommt.
 

 

Stichwort Sexualität: Sie sind verheiratet. Wagt es überhaupt jemand, Sie auf dieses Thema anzusprechen?
Nur weil sich jemand etwas nicht vorstellen kann, heisst das noch lange nicht, dass es nicht möglich ist. über ein Jahr habe ich mit einem Arbeitskollegen im gleichen Büro gearbeitet, bis er mich auf dieses Thema angesprochen hat. Bis dahin ist er immer davon ausgegangen, dass ich keine Erektion haben kann. Selbstverständlich ist dies, wenn auch mit Hilfe von Medikamenten, möglich. Meine Frau wurde auch schon gefragt, ob sie mich denn pflegen müsse. Da war sie völlig perplex. Wir führen eine ganz normale Ehe. Da gehört auch die Sexualität dazu.
 

 

Auch als querschnittsgelähmter Mann kann man eigene Kinder haben. Sie haben sich zu diesem Schritt entschlossen.

Es war immer ein grosser Wunsch für uns, dass wir eigene Kinder haben können. Dass es nun geklappt hat, macht uns sehr glücklich.
 

 

Zurück zum Sport: Welche Ziele warten als nächste auf Sie?
Das nächste grosse Ziel sind die Paralympics in Sotschi im März 2014. Dort habe ich einen Titel zu verteidigen. Ich werde alles geben, um eine Medaille zu gewinnen. Wie es danach weitergeht, weiss ich noch nicht. Das Wichtigste wird in Zukunft meine Familie sein. Auf jeden Fall wird der Sport aber auch weiter eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen.