2011 sei es gewesen, erinnert sich Simón Winistörfer, als er mit der Diagnose Multiple Sklerose konfrontiert wurde. «Das ist für mich ein riesiger Schock gewesen.» Er begann in der Folge mit einer ersten Basistherapie gegen die MS. «Ich habe mir über ein Jahr ein Medikament selber gespritzt, mit extremen Nebenwirkungen und mässigem Erfolg.»

Die Krankheit war immer noch hochaktiv, zudem litt er wegen der Spritzen an einem dauernden grippeähnlichen Zustand mit starken Gliederschmerzen. Das sei der Zeitpunkt gewesen, an dem er die medizinische Wirkung von Cannabis für sich entdeckt habe. «Es lindert die Symptome und dämpft die Nebenwirkungen der Medikamente.»

In die Illegalität gedrängt

«Cannabis hat mir Lebensqualität zurückgegeben. Die Schmerzen waren zuvor so stark, dass ich nicht mehr leben wollte», blickt Simón zurück. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er das Präparat illegal bezieht. «Eine legale Therapie ist für mich nicht möglich, da ich diese nicht bezahlen kann.»

Die Krankenkassen würden die Kosten nicht übernehmen. Es fühle sich aber nicht gut an, wenn man als unbescholtene Person in die Illegalität gedrängt werde, um keine Schmerzen mehr zu haben, räumt er gleichzeitig ein.

Cannabis verwendet er in erster Linie gegen Nervenschmerzen und Muskelverspannungen. Heute könne er dadurch wieder ein kleines Arbeitspensum von 20 Prozent bewältigen. Auch ein wenig Sport sei wieder möglich, wenn er gut auf seinen Körper höre. «Cannabis spielt beim Sport eine wichtige Rolle, um die Entzündungswerte tief zu halten und die Schmerzen nach einem Training besser im Griff zu haben.»

Auch könne er dank Cannabis wieder mehr am Sozialleben teilnehmen, weil er die Schmerzen und Nebenwirkungen von Medikamenten besser unter Kontrolle habe. «Ich vertrage es heute sehr gut, auch wenn es ein paar Tricks braucht, um es richtig einzustellen.» Er spüre auch schon lange keine psychoaktive Wirkung mehr. «Sonst würde das für mich auf Dauer auch nicht funktionieren.»

Viele Medikamente abgesetzt

Cannabis sei ein sehr gut verträgliches Mittel, das er mündigen Patienten nur empfehlen könne, betont Simón. Dank Cannabis habe er weniger Schmerzen, weniger Muskelkrämpfe und Verspannungen. Und auch keine Depressionen mehr. «Mit andern Worten: Cannabis hat mir mein Leben zurückgegeben.»

Heute sei er gut eingestellt und Cannabis wirke bei ihm wie ein extrem wirkungsvolles und gleichzeitig nebenwirkungsarmes Schmerzmittel und Antidepressivum. «Ich konnte dadurch rund 15 verschreibungspflichtige Medikamente absetzen. Deren Nebenwirkungen waren für mich die Hölle.»

Als chronisch Kranker hätte er diese Präparate ein Leben lang einnehmen müssen, was für ihn keine Option gewesen sei.

Je nach den täglichen Anforderungen wechsle die Applikation von Cannabis, erklärt Simón: «Vaporisieren wirkt sehr schnell und ist besser zu kontrollieren. Tropfen über die Mundschleimhaut oder den Magen sind eine gute Ergänzung. Bei starken lokalen Schmerzen brauche ich es auch mal zum Eincremen.»

Derzeit erhält Simón zusätzlich ein MS-Therapeutikum in Form einer Infusion. Cannabis sei zwar kein Mittel, um die MS zu stoppen. «Es wirkt aber hervorragend gegen alle Beschwerden, die eine Multiple Sklerose mit sich bringt, und kann sehr viele Medikamente ersetzen», fasst Simón zusammen.