Bis zu ihrer MS-Diagnose vor fünf Jahren war Luana Montanaro sportlich äusserst erfolgreich unterwegs. Sie spielte Fussball beim Zweitligisten FC Spiez, im Tennis war sie in ihrer Alterskategorie die Nummer zwei des Nationalkaders. Heute besucht sie Fussballspiele als Zuschauerin. Während des Spiels könne sie ihre Schmerzen vergessen, sagt sie. Schon bei der MS-Diagnose im Herbst 2010 zeigte sich, dass die Erkrankung bei Luana Montanaro einen hochaktiven Verlauf nehmen wird. «Ich konnte plötzlich nicht mehr gehen und sitze heute im Rollstuhl», blickt die junge Frau zurück. Hinzu kamen immer wieder Spital- und Reha-Aufenthalte und der krankheitsbedingte Abbruch der Fachmittelschule. «Wegen der Kortisonbehandlung und eines Medikaments, das sonst bei Krebs verordnet wird, verlor ich meine Haare und nahm an Gewicht zu», berichtet Luana Montanaro. Aufgrund einer beinahe vollständigen Erblindung auf dem linken Auge muss sie eine Augenklappe tragen.

Eine Ausbildung begonnen

Mancher hätte wohl nach solchen Schicksalsschlägen aufgegeben, hätte sich resigniert zurückgezogen. «Das kam für mich nie in Frage», sagt Luana Montanaro. «Ich wollte weiterhin am Leben teilhaben, auch wenn vieles zunehmend schwieriger wird.» Die 23-Jährige hat gelernt, mit Tiefschlägen umzugehen. «Speranza», das italienische Wort für Hoffnung, hat sie sich auf den Arm tätowieren lassen. Sie hofft, dass sich ihr Gesundheitszustand verbessert oder zumindest nicht weiter verschlimmert. Sie schaffe es immer wieder, sich nach einem Rückschlag neu zu motivieren, betont Luana Montanaro. So hat sie inzwischen ihre Ausbildung zum NLP-Resonanzcoach begonnen. Jeder Spitzensportler habe einen Coach. Die wesentliche Aufgabe eines guten Coaches sei, das Beste aus dem Sportler herauszuholen und ihn zu seiner Höchstform zu führen, sagt Luana Montanaro. «Weshalb sollten Führungskräfte ohne Coach auskommen.» Als NLP-Resonanzcoach könne sie Manager oder Teams personenzentriert begleiten, ist sie überzeugt.

Die Hoffnung bleibt

«Früher habe ich versucht, gegen die MS anzukämpfen», sagt Luana Montanaro. Das sei die falsche Strategie gewesen. «Heute versuche ich, das Beste aus meiner Krankheit zu machen.» Mit andern Worten, nicht nur auf die Defizite zu fokussieren, sondern auf die verbliebenen Ressourcen. Wenn sie in die Reha-Klinik muss, ist Luana Montanaro meist mit Abstand die Jüngste. Zwar schätze sie das kompetente Personal während der Reha-Aufenthalte, vermisse aber gleichzeitig den Austausch mit Gleichaltrigen. Ein wichtiger Kontakt zur Aussenwelt ist für sie das Internet. Sie besucht oft die Website der Schweizerischen Multiple-Sklerose-Gesellschaft. Insbesondere die verschiedenen Infoblätter und das Forum bezeichnet sie als äusserst wertvoll. «Was mir bleibt, ist die Hoffnung, dass ein erneuter Schub keine weiteren Schäden zurücklässt», sagt Luana Montanaro. Diese Hoffnung werde sie nicht aufgeben.