• Ben Arn
  • Felix Iten
  • Sven Schendekehl
Ben Arn
Veranstalter der Messe CannaTrade.ch AG

In welcher Branche sind Sie tätig und was hat sich seit Sommer 2016, als die legalen CBD-Produkte auf den Markt kamen, verändert?

Wir veranstalten seit 1998 Events rund um Cannabis. Seit Sommer 2016, seit also die ersten Schweizer CBD-Blüten im Handel sind, spüren wir ein enormes Wachstum. Einerseits durch den schnell wachsenden Markt in der Schweiz mit mittlerweile mindestens 500 neuen Unternehmen. Gleichzeitig ist die Schweiz durch die Ein-Prozent-THC-Grenze wieder in den internationalen Fokus gerückt. Unser Land war ja schon Ende der 90er-Jahre ein Cannabis-Land (Duftsäcklizeit) und in Sachen Drogenregulierung (kontrollierte Heroinabgabe) ein Pionier und ebenso ist die Schweiz in Sachen Qualität und Professionalität grundsätzlich ein beliebtes Markenland. Das Interesse an der Schweiz und ihren Cannabis-Produkten ist riesig.

Die Hanf-Pflanze hat den Weg zurück in die Gesellschaft gefunden. Wie schätzen Sie die Stimmungslage in der Schweiz ein?

Die Stimmung in der Bevölkerung ist gekippt. Noch vor drei, vier Jahren war Cannabis hauptsächlich als verbotene Substanz bekannt. Heute wissen die allermeisten Schweizerinnen und Schweizer über die breite Palette an Wirkstoffen und Produkten aus der Hanfpflanze Bescheid. Wir waren beispielsweise mit dem Projekt «Cannabis Village» an der Olma in St. Gallen zu Gast. Der Erfolg war gewaltig, es fühlte sich an, als hätten die Leute auf uns gewartet. Nach jahrelanger Stigmatisierung der Hanfpflanze wurden wir von den Besuchenden überrannt und punkto Informationen und Aufklärung regelrecht «ausgesaugt». Es ist an der Zeit, das Stigma endgültig zu beenden und Cannabis in allen Formen zu regulieren.

Welches (Hanf-)Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft und was würde eine Legalisierung verändern?

Das Potenzial der Hanfpflanze ist zum allergrössten Teil noch nicht ausgeschöpft! Wirtschaftsanalysten schätzen, dass der komplette Cannabis-Markt (Medizin, Rohstoff und Genussmittel) den weltweiten Smartphone-Markt inklusive Apps und Co. bei Weitem übertreffen wird. Nebst der mittlerweile weniger umstrittenen Nutzung von Cannabis als Medizin und Rohstoff (zum Beispiel Plastikersatz, Baustoff und Ähnliches) sehen wir auch in der Entkriminalisierung als Genussmittel ein riesiges Potenzial: Der weltweite Umsatz an illegalen Drogen beträgt jährlich rund 300 Milliarden Dollar, welche in mehrheitlich kriminelle Organisationen fliessen. Dieses Geld sehen wir lieber in einem legalen Markt, analog dem Alkohol- oder Tabakmarkt.

Felix Iten
Gründungs- und Vorstandsmitglied, Patientenorganisation MedCan

In welcher Branche sind Sie tätig und was hat sich seit Sommer 2016, als die legalen CBD-Produkte auf den Markt kamen, verändert?

Ich arbeite zweieinhalb Tage die Woche unentgeltlich als Patientenberater für den Medical Cannabis Verein Schweiz.

Der CBD-Boom hat das Verhältnis zu diesem tausend Jahre alten Heilmittel sehr verändert. Die Pflanze wird heute nicht mehr als Droge verteufelt und ihr medizinischer Wert für die Behandlung von bis zu 100 verschiedenen Krankheiten anerkannt.

Allerdings ist das CBD nicht einfach der medizinische Teil der Pflanze, bei den meisten Krankheiten ist das THC ebenso wichtig, wie auch die über 140 Terpene und anderen Stoffe, die diese Pflanze zu bieten hat. Dies hat unter anderem auch das Bundesamt für Gesundheit BAG dazu bewogen, die Pflanze neu zu bewerten.

Die Hanf-Pflanze hat den Weg zurück in die Gesellschaft gefunden. Wie schätzen Sie die Stimmungslage in der Schweiz ein?

Angesichts der rasanten internationalen Legalisierungsaktivitäten in vielen Staaten ist auch in der Schweiz die Akzeptanz von Cannabis als Heilmittel massiv gestiegen.

Dieses Klima verschafft vor allem den 100000 bis 150000 Patientinnen und Patienten, die sich heute, zum Teil seit Jahren, illegal mit Cannabis behandeln, Erleichterung.

Die Aussicht, mit dieser Pflanze viel Geld zu machen, hat in vielen Teilen der Bevölkerung und der Regierung ebenso einen schnellen Stimmungswandel hervorgerufen. Die Pflanze ist allerdings nie ganz aus dem Alltag verschwunden, gerade in ländlichen Gebieten wird sie traditionell als Tee oder Extrakt genutzt. Heute ist es möglich, sich dazu zu bekennen, ohne nachteilige Folgen befürchten zu müssen.

Welches (Hanf-)Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft und was würde eine Legalisierung verändern?

Wir wissen heute, dass zum Beispiel süchtig machende Schmerzmittel auf Opiat-Basis bis zu 60 Prozent durch Cannabis ersetzt werden können (Colorado).

Eine Legalisierung würde Cannabis dorthin bringen, wo es herkommt. Als Alternative zum Feierabendbier und in der Komplementärmedizin als alltägliches Hausmittel ist Cannabis eine traditionelle, fast nebenwirkungsfreie Alternative.

In der Medizin kann Cannabis eine Alternative in der Krebsbehandlung sowie bei vielen Autoimmunkrankheiten und chronischen Schmerzen werden. In der Altersmedizin können Demenz und Alzheimer sichtbar verzögert werden.

Sven Schendekehl
Vorstandsmitglied, Verein Legalize it!

In welcher Branche sind Sie tätig und was hat sich seit Sommer 2016, als die legalen CBD-Produkte auf den Markt kamen, verändert?

Im Verein Legalize it! beschäftige ich mich seit 28 Jahren mit den rechtlichen und politischen Themen rund um Hanf in der Schweiz. Der CBD-Boom war ein neues Kapitel in diesem grossen Thema.

Gerade zu Beginn kamen viele Anfragen, wie denn das nun sei mit dem Hanf mit einem Gehalt von weniger als einem Prozent THC, denn dieser wird ja durch das Betäubungsmittelgesetz BetmG nicht verboten. Dennoch gibt es viele Gesetze, die man berücksichtigen muss (Heilmittelgesetz bis Sortenkatalog).

Mittlerweile hat sich dieses Thema weitgehend geklärt und ich beschäftige mich wie bisher hauptsächlich mit Strafverfolgung, Strafbefehlen, Übertretungen und Vergehen rund um THC.

Die Hanf-Pflanze hat den Weg zurück in die Gesellschaft gefunden. Wie schätzen Sie die Stimmungslage in der Schweiz ein?

Es gibt viele, die die Sinnlosigkeit der Verbotspolitik eingesehen haben. Aber es gibt noch einige mehr, die am liebsten viel mehr Verfolgung, Polizei und härtere Strafen hätten.

Dazwischen gibt es diejenigen, die nicht so recht wissen, was sie wollen, aber im Zweifelsfall lieber alles so lassen, wie es ist.

Daher ist bisher keine Mehrheit für eine Abschaffung der Hanfprohibition zusammengekommen. Angesichts der starken Widerstände gegen eine Entkriminalisierung müssen sich also alle, die einen neuen Umgang mit Hanf befürworten, auf einen gemeinsamen Lösungsvorschlag einigen, um eine Chance zu haben.

Welches (Hanf-)Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft und was würde eine Legalisierung verändern?

Eine Abschaffung der Hanfprohibition würde endlich den Schwarzmarkt kollabieren lassen. Produktion und Handel könnten wie bei allen sonstigen Gütern ablaufen: Besteuert, geprüft, die Konsumierenden hätten eine Wahl.

In einer legalen Hanfwelt würden die Leute auch viel häufiger tief dosierte THC-Genussmittel nachfragen beziehungsweise kaufen können. In Prohibitionszeiten gibt es eine klare Tendenz, nur sehr starke Ware zu produzieren und zu vertreiben.

Nach einer Legalisierung könnte die ganze Palette angeboten werden. Ähnlich wie beim Alkohol: Die meisten trinken nicht Schnaps, sondern Bier.