Robin, in deiner Sendung «Rehmann – SOS – Sick Of Silence» sprechen Betroffene über Tabuthemen wie Magersucht, Depressionen oder Alkoholismus. Wie geht unsere Gesellschaft mit solchen Themen um?

Unsere Gesellschaft gibt sich heute zwar sehr offen und tolerant, in der Realität ist das Verständnis meist aber nicht sehr gross. Es gibt noch immer viel zu viele Menschen, die chronisch krank sind und sich nicht getrauen, darüber zu sprechen.

Aus Angst vor negativen Folgen wie etwa einem Jobverlust. Diese Menschen leiden im Stillen und stehen unter immensem Druck, ihre «Scheinwelt» aufrechterhalten zu können.

Jeder präsentiert heute sein schönes, vermeintlich perfektes Leben, unter anderem auf den sozialen Medien. Setzen wir uns damit nicht massiv unter Druck?

Natürlich! In dieses perfekte Leben passt keine Krankheit.

Viele Menschen tun so als sei alles bestens, aus Angst, nicht akzeptiert zu werden. Schön wäre, wenn Tabuthemen «normal» würden.

Das Leben ist toll, aber es kann eben auch richtig sch... sein. Und das muss man gar nicht verschweigen, sondern das ist völlig normal. Das hat auch nichts mit Schwäche zu tun.

2012 hast du selbst die Diagnose Colitis ulcerosa, einer chronischen Darmerkrankung, erhalten. Wie bist du mit dieser Diagnose umgegangen?

Ich habe meine Erkrankung von Anfang an offen und ehrlich kommuniziert. Vielleicht war es für mich als Moderator einfacher, darüber zu sprechen.

Als klar wurde, dass ich keine Live-Sendungen mehr moderieren kann, kam von meinem Sender auch die Frage: «Was machen wir jetzt mit dir?». Ich sah mich also ganz konkret damit konfrontiert, den Job wegen meiner Erkrankung zu verlieren. Eine nicht sehr schöne Situation.

Wie kam dir die Idee zu «Rehmann – SOS – Sick Of Silence?»

Da ich meine Krankheit offen in meinem Videoblog thematisiert habe, kamen viele Rückmeldungen von Menschen, die ebenfalls an einer chronischen Krankheit leiden oder sich mit einem «Tabuthema» konfrontiert sehen.

«In der Realität ist das Verständnis meist nicht sehr gross.»

Das Bedürfnis, offen darüber zu sprechen und ein Tabu zu brechen, ist gross. So kam mir die Idee zur Sendung. Seither kann ich mich vor Anfragen kaum retten. Für viele ist es ein Befreiungsschlag und es fällt eine Menge Last ab, wenn sie nach jahrelangem Schweigen endlich zu ihrer Krankheit stehen können. Mit meiner Sendung möchte ich chronisch kranken Menschen eine Stimme geben und die Gesellschaft darauf aufmerksam machen, dass es diese Krankheiten gibt. Und, dass sich niemand dafür zu schämen braucht.

Gibt es eine Geschichte, die dich besonders berührt hat?

Meist sind es jene Geschichten, die nicht mit einem Happy End enden. Besonders in Erinnerung ist mir die Geschichte eines alkoholkranken Mannes, der in einer Entzugsklinik war und dennoch nicht von seiner Sucht loskommt. Er erzählte mir, wie schlimm sein Vater zu ihm war und dass er heute diese Muster an sich selbst wiedererkennt. Sehr viele Anfragen bekomme ich momentan übrigens zum Thema Angsterkrankungen. 

Wie geht es dir aktuell?

Energietechnisch nicht so gut. Ich nehme viele Medikamente, die unter anderem auch zu Stimmungsschwankungen führen. Mein Leben hat sich mit der Krankheit stark verändert und Dinge, die früher selbstverständlich waren, sind heute nicht mehr möglich. Meine Ernährung besteht zum Beispiel zu 100 Prozent aus Verzicht und mein Fitnessprogramm gleicht einem Seniorenturnen. Trotzdem versuche ich positiv zu sein und dem Ganzen einen Sinn zu geben.