An mein Leben vor dem Diabetes kann ich mich kaum mehr erinnern. Ich weiss nur noch, wie damals, vor 25 Jahren, die Diagnose gestellt wurde. Ich war über einen längeren Zeitraum inaktiv, was ganz untypisch für mich war, ich hatte keine Lust zu spielen, viel Durst und wenig Hunger.

Meiner damaligen Tagesmutter vielen diese Symptome auf und sie sprach ihren Arzt darauf an. Dieser schickte uns direkt ins Kinderspital, wo die Diagnose Diabetes Typ 1 gestellt wurde. Was diese Diagnose bedeutet und dass der Diabetes ab sofort mein ganzes Leben begleiten wird, war mir zu dem Zeitpunkt natürlich nicht klar.

Ich hatte damals grosse Angst vor dem Spitalaufenthalt und davor, was auf mich zukommen wird. Im Spital wurde die Insulintherapie eingestellt und meine Mutter musste lernen, die Spritzen aufzuziehen und mir Insulin zu spritzen. An das tägliche Spritzen hatte ich mich relativ schnell gewöhnt, schwerer fiel es mir, auf Süssigkeiten zu verzichten.

Im Kindergarten durfte ich bei Kindergeburtstagen keinen Kuchen essen, am Dreikönigstag keinen Königskuchen, an Ostern keine Schokolade. Das war hart und ich erinnere mich an die bemitleidenden Blicke meiner Mitschüler.

Ich war teilweise neidisch auf meine Mitschüler, wenn diese eine Glace bekamen und ich nur einen Apfel. Meine Mitschüler hingegen waren neidisch auf mich, wenn ich wieder ein Spezialgericht im Klassenlager aufgetischt bekam.

Freiheit dank Pen

Mit elf Jahren bekam ich einen Pen und damit ein Stück Freiheit zurück. Im Gegensatz zur konventionellen Insulintherapie, bei der ich mich an einen strengen Ernährungsplan halten musste, durfte ich nun alles essen, wozu ich Lust hatte. Ich musste die darin enthaltenen Kohlenhydrate lediglich bemessen und entsprechend Insulin zu den Mahlzeiten abgeben. Das war für mich ein ganz neues Lebensgefühl.

Schwierig wurde es in der Pubertät. Ich wollte sein wie alle anderen und nicht immer ans Blutzuckermessen und Insulinabgeben denken. Damals hatte ich einen Kampf mit dem Diabetes, ich konnte ihn nicht als einen Teil von mir akzeptieren und habe dagegen rebelliert. Natürlich erfolglos.

Heute habe ich den Diabetes als meinen ständigen Begleiter akzeptiert, er gehört zu mir und ich kann ihm sogar einiges Positives abgewinnen. Denn mit einem Diabetes lernt man schon früh Disziplin, Verantwortungsbewusstsein, Körperbewusstsein und Ernährungswissen.