Im Alter von 17 Jahren haben Sie eine starke Hirnblutung erlitten und sind seither halbseitig gelähmt. Wie gehen Sie mit dieser Behinderung um?
Seit diesem Schicksalsschlag ist meine linke Körperhälfte eingeschränkt und teilweise gelähmt und das wird auch so bleiben. Ich versuche, mich damit zu arrangieren und habe mich daran gewöhnt. Viel schlimmer als die körperliche Einschränkung ist für mich, dass meine Hirnleistungsfähigkeit stark abgenommen hat. Ich werde sehr schnell müde und kann mich nur über kurze Zeit konzentrieren. Auch die Aufmerksamkeit ist eingeschränkt. Heute ist meine geistige Leistungsfähigkeit sehr stark von der Tagesform abhängig.

Als Botschafter möchten Sie Menschen mit einer Behinderung zum Sport motivieren. Was treibt Sie dazu an?
Sport ist eine ideale Integrationsmöglichkeit und sehr wichtig für mein Wohlbefinden. Ich spiele mit Menschen mit und ohne Behinderung Tischtennis und fühle mich dadurch gut. Ich kann mich dort auch mit nicht behinderten Spielern messen, was mich extrem anspornt. Ich glaube, dass es egal ist, ob man eine Behinderung hat oder nicht. Mir macht es auf jeden Fall grossen Spass, wenn ich sehe, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen Sport treiben.

Einmal abgesehen vom Sport: Wie können auch behinderte Menschen eine erfüllte Beziehung leben?
Eine Beziehung bedeutet für mich, ein Team zu sein. Ein Team besteht aus mindestens zwei Personen. Jedes Teammitglied hat dabei seine Stärken und Schwächen. Wenn in einer Beziehung der Mensch im Vordergrund steht, funktioniert ein Team. Menschen mit besonderen Bedürfnissen können ihren Teil zu einer tollen Beziehung beitragen.

Stichwort Sexualität: Werden Sie oft auf dieses Thema angesprochen?
Ich werde oft gefragt, ob bei mir alles «normal» funktioniert. Darauf gebe ich immer die Antwort, dass das Empfinden anders ist als früher. Ich denke, dass Sexualität immer individuell ist und jeder Mensch auf seine Art und Weise damit umgeht.

Was hat Ihnen die Wahl zum Mister Handicap 2012 gebracht?
Für mich war und ist es eine sehr lehrreiche Zeit und ich darf viele spannende Menschen kennen lernen. Zudem verstehe ich jetzt die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen mit einer Behinderung nach Integration in der Gesellschaft noch besser. Ich möchte die Chance meiner verlängerten Amtszeit nutzen, um mich weiter für die Gleichstellung einzusetzen, und freue mich auf jedes weitere Engagement.

Welches ist Ihr grösster Wunsch für die Zukunft?
Mein grösster Wunsch ist es, die Ausbildung zum Life Coach für Menschen in herausfordernden Lebenslagen erfolgreich zu absolvieren und sportlich weitere Erfolge zu erzielen.



Christian Lanz
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