Andi W. leidet unter einer mittelschweren Hochtonschwerhörigkeit. Dabei handelt es sich um die häufigste Art der Schwerhörigkeit. Hochtonschwerhörige hören hohe Töne schlechter.

Dadurch können sie Konsonanten im Hochtonbereich schlechter verstehen nund Wörter wie "See" und "Tee" sind kaum zu unterscheiden. So kann der Eindruck entstehen, dass die Gesprächspartner undeutlich sprechen, dabei ist nur der eigene Höreindruck gestört.

Er leide nicht an einer Schwerhörigkeit. In seinem Fall handle es sich um eine verminderte oder reduzierte Hörfähigkeit im Hochtonbereich, sagt Andi Wunderli.

«Das Gehirn kommt aus der Übung, der Höreindruck muss wieder neu erworben werden»

«Die Hörprobleme begannen bei mir als schleichender Prozess vor rund zehn Jahren», blickt er zurück.

Die Familie, Bekannte und Freunde hätten es als Erste gemerkt. «Sie mussten immer wieder einen Satz wiederholen. Besonders wenn ein lauter Umgebungslärm herrschte, habe ich die Leute nicht verstanden», berichtet Wunderli.

Als der Leidensdruck zunahm, suchte er einen Hörakustiker auf. Dieser habe dann eine Hörschwäche festgestellt. «Er empfahl mir, einen Ohrenarzt zu konsultieren. Dort erhielt ich die Diagnose einer mittelschweren Hochtonschwerhörigkeit.»

Ans Hörgerät gewöhnen

Seit fünf Jahren trägt Andi W. nun ein Hörgerät. Seither habe sich seine Lebensqualität verbessert, sagt er. «Ich musste mich aber zuerst an das Hörgerät gewöhnen. Das ist nicht wie bei einer Sehschwäche, wo man eine Brille erhält und dann wieder scharf sieht.»

Beim erstmaligen Tragen des Hörgerätes seien unangenehme Geräusche aufgetreten, blickt Wunderli zurück. «Das Hörgerät musste deshalb präzise eingestellt werden, und das Gehirn musste wieder lernen, Höreindrücke zu verarbeiten.»

Er höre zwar inzwischen wieder gut, sagt Wunderli. Die Probleme, Leute bei lautem Umgebungslärm zu verstehen, seien seit dem Tragen eines Hörgerätes kleiner geworden, existierten aber immer noch.

Das Gehirn trainieren

Unser Gehirn lernt lebenslang neue Höreindrücke kennen. Es verbindet das Gehörte mit dem Gesehenen, Gespürten, Erlebten und ruft beim erneuten Hören die Eindrücke ab.

Wenn das Gehirn über eine längere Zeitspanne bestimmte Höreindrücke nicht mehr empfangen hat, hat dies fatale Folgen. «Das Gehirn kommt aus der Übung, der Höreindruck muss wieder neu erworben werden», hat Andi Wunderli gelernt.

Deshalb sei es enorm wichtig, dass das Gehirn wieder trainiert werde, welches die akustischen Signale verarbeitet und interpretiert. Neuere Forschungsresultate weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine Hörstörung im Alter die Abnahme der geistigen Fähigkeiten beschleunigen kann.

Eine Schwerhörigkeit führt zu einer Abnahme der sprachaktiven Zentren im Gehirn und zu einer verstärkten Alterung weiterer Hirnregionen, weiss man heute.