Herr Kurath, Sie waren bislang in über 150 Ländern (Anm. d. Red.: Weltweit gibt es 194 Länder). Was bedeutet Ihnen das Reisen?

Mit dem Reisen verbinde ich drei Dinge: Privileg, Demut und eine unglaubliche Freude und Neugierde, diese Reisen erleben zu dürfen. Es macht mich demütig, weil ich sehr viel gesehen habe.

Einerseits unglaublicher Luxus, andererseits grosses Elend. Die Vielfalt dieser Welt hat mich reicher gemacht. Und zwar nicht gemessen in Geld, sondern an Erlebnissen.

Sie beschreiben das Reisen als Lebensgefühl. Wann haben Sie sich für dieses Lebenskonzept entschieden?

Ich reise seit 35 Jahren. Ich habe mich bewusst für ein Lebenskonzept entschieden, in dem das Reisen Platz hat. Ich erinnere mich an meine erste Reise, als 15-jähriger Schüler. Damals reiste ich mit meinem besten Freund nach Ibiza, wir waren in einer billigen Absteige untergebracht.

Aber ich wusste: Das ist es! Die Vorfreude und Vorbereitung auf die Reise, dann die Erkundung eines neuen Landes und einer neuen Kultur: Dieses Gefühl hat mich sofort gepackt und ein Stück weit süchtig gemacht. Noch immer freue ich mich auf jede Reise wie ein kleines Kind.

Sie betonen, dass Sie nie Ferien machen, sondern ausschliesslich reisen.

So ist es. Ferien bedeuten für mich Erholung und dem süssen Nichtstun frönen. Reisen hingegen hat mit Engagement und mit Erleben zu tun. Reisen ist nicht nur ein Betrachten von schönen Dingen, sondern es berührt inhaltlich. 

Welches Land hat Sie besonders berührt?

Eine der schönsten Reisedestinationen ist Kolumbien. Dann ganz klar Afrika. Dieser Kontinent hat mich am meisten beeindruckt und gleichzeitig als Mensch verändert.

Eine gute Reisevorbereitung ist das A und O. Wie sieht diese bei Ihnen aus?

Früher bin ich einfach losgezogen. Heute bereite ich mich auf meine Reisen akribisch vor. Ich nehme immer eine grosse Reiseapotheke mit. Hinein gehören Schmerzmittel, Antiseptikum, Mückenschutz, Mittel gegen Verbrennungen sowie diverse Medikamente gegen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.

Ebenfalls gehört ein guter Sonnenschutz ins Gepäck. Zudem bin ich komplett durchgeimpft und habe immer Feuchttücher dabei. Mangelnde Hygiene ist oftmals das grösste Problem.

Auch wenn die Massnahmen vielleicht etwas «bünzlig» klingen, eine gute Vorbereitung steigert die Reisequalität enorm! Wenn ich in Länder mit mangelnder medizinischer Einrichtungen reise, plane ich im Vorneherein den worst case: Was wäre, wenn ich erkranken oder verunfallen würde? Wo ist das nächste Spital und wer würde mir in dieser Situation helfen?

Haben Sie auf Ihren Reisen jemals brenzlige Situationen erlebt oder schlechte Erfahrungen gemacht?

Glücklicherweise habe ich bislang nur sehr wenige unangenehme Situationen erlebt. Ich denke, das hat auch mit meinem Reiseverhalten zu tun. Ich zeige Respekt vor den Einwohnern und bin in meinem Auftreten zurückhaltend.

In Brasilien wurde ich jedoch ausgeraubt und in Uganda, zur Grenze Demokratische Republik Kongo hin, hätte ich nicht ohne Bodyguards reisen können.

Lebensmittelvergiftungen habe ich schon öfter erlebt. Die Schlimmste hatte ich übrigens in Schweden. Ebenfalls sind Mücken überall ein Thema. Ich spraye mich deshalb immer sehr gut ein.

Wohin geht Ihre nächste Reise?

Als Nächstes reisen meine Frau und ich nach Belize, Guatemala und Mexiko, um den Spuren der Mayas zu folgen. Die übernächste Reise steht auch schon fest: Im Januar 2019 reisen wir mit dem Zürich-Zoo für einen Monat in die Antarktis.