Vor bald vier Monaten, am 27. Oktober 2017, wurde dir eine neue Lunge transplantiert. Wie geht es dir heute?

Ich bin sehr glücklich und es geht mir gut. Die Wochen nach der Transplantation ging es mir super, ich habe mich wie neugeboren gefühlt. Dann kam eine etwas schwierigere Phase, in der meine Blutwerte nicht so gut waren. Nun geht es wieder bergauf.

Kannst du dich an den Moment erinnern, als du aus der Narkose aufgewacht bist?

Diesen Moment werde ich nie vergessen.


Der erste Atemzug mit der neuen Lunge war ein wunderbares Gefühl. Fast so, als ob ich ein zweites Leben geschenkt bekommen habe.


Ich atmete und da war kein Husten, kein Schleim, keine Atemnot. Ich konnte einfach durchatmen. Ich bin extrem dankbar, dass ich dieses Organ bekommen habe.

Wie hat sich die Zystische Fibrose bei dir entwickelt?

CF wurde bei mir diagnostiziert, als ich ein kleines Kind war. Mit der Therapie ging es mir lange sehr gut. Ich hatte eine normale Kindheit, ging in den Kindergarten und in die Schule, trieb Sport und hatte Hobbys.

Die Einschränkungen durch CF habe ich kaum wahrgenommen. Zu Beginn der Pubertät verschlechterte sich mein Zustand schleichend. Ich war oft müde und erschöpft, wurde von starken Hustenanfällen geplagt und war ständig verschleimt. Dramatisch wurde es in den letzten Jahren.

Meine Lungenfunktion lag über einen längeren Zeitraum zwischen 30–40 Prozent, zuletzt bei 20 Prozent. Es war ein langsamer Prozess und am Ende war das Sauerstoffgerät mein ständiger Begleiter. Ich fühlte mich wie im Gefängnis, konnte nicht rausgehen und war im vergangenen Jahr alle zwei Wochen im Spital. Vor gut einem Jahr wurde ich auf die Warteliste für eine Organspende gesetzt.

Das Warten auf ein passendes Organ muss unerträglich gewesen sein. Wie hast du diese Zeit erlebt?

Ich bin eigentlich ein sehr positiver Mensch, aber im letzten Jahr war ich oft deprimiert. Meine ganze Jugend spielte sich zwischen Sauerstoffgerät, Spital und der Hoffnung auf ein Organ ab.


Ich bin 16 Jahre alt und musste mich mit dem Tod auseinandersetzen. Das war wirklich hart. Diese Zeit hat mich aber auch stärker und reifer gemacht.


Ich habe vor der Operation so gelebt, als wäre jeder Moment mein Letzter. Mein Leben hing zuletzt an einem seidenen Faden und die Ärzte sagten mir, dass es einen Tag später wohl zu spät gewesen wäre. Ich stand auf der Dringlichkeitsliste deshalb ganz oben.

Du hast deine Krankheit auf Instagram öffentlich gemacht und inzwischen über 36000 Follower. Was ist deine Motivation?

Es war überwältigend, welche Unterstützung und Rückmeldungen ich bekommen habe. Sogar aus dem Ausland haben mir Menschen geschrieben und mir Mut gemacht. Und dennoch war ich mit meiner Krankheit alleine.

Ich wollte erreichen, dass mehr über Organspende gesprochen wird. Denn ohne eine Spende wäre ich heute nicht mehr hier. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich heute Botschafterin für Swisstransplant bin.

Wann hast du erfahren, dass ein Organ gefunden wurde?

Ich war im Spital auf der Überwachungsstation und hatte schon den ganzen Tag das Gefühl, dass irgendetwas anders ist. Ich hoffte so sehr, dass es endlich so weit war. Tatsächlich sind abends die Ärzte zu mir gekommen und haben mir gesagt, dass ein Organ gefunden wurde und ich um zwei Uhr nachts operiert werde. Dieses Gefühl war unbeschreiblich. Es war eine riesige Erlösung für mich.

Ich habe nicht daran gedacht, dass etwas schiefgehen könnte, ich wollte einfach dieses neue Gefühl erleben. Die Operation dauerte acht Stunden, es ging alles gut und die Lunge hat sofort gepasst. Das Durchhalten hat sich gelohnt.

Welche Wünsche hast du für die Zukunft?

Ich blicke sehr optimistisch in die Zukunft und freue mich, wenn ich endlich meinen Schulabschluss machen kann. Beruflich würde ich später gerne etwas mit Architektur machen.