«Manchmal ist es schon blöd, wenn alle etwas Süsses essen und ich muss als einziger dann immer das Süsse runterspritzen», sagt Dario Wicki. Der 12-jährige Junge gehört zu den zehn Prozent der Zuckerkranken in der Schweiz, die an Diabetes Typ 1 leiden. Die Krankheit wurde bei ihm im Alter von zwei Jahren diagnostiziert. Aber es habe durchaus auch Vorteile, sagt Dario. «Wenn der Zuckerspiegel tief ist, darf ich immer etwas Süsses essen», erklärt er. In seinem Freundeskreis sei er schon zu einem richtigen Experten geworden und klärt seine Kollegen über die Krankheit auf. Auch wenn die Fragen manchmal nervig sind, Dario hat sich mit seiner Krankheit arrangiert.

Spritzen eine ­Herausforderung
Für seine Mutter war die Diagnose anfänglich ein Schock. «Ich habe mir grosse Sorgen gemacht», sagt Pamela Wicki. Ihr Beruf als Arztgehilfin sei ihr aber entgegengekommen. So hat sie die Krankheit schon gekannt und war zudem mit dem Spritzen und Blutzuckermessen schon vertraut. «Trotzdem war es sehr schwierig, meinem Sohn die Spritzen zu setzen», so Wicki. Denn Dario wusste sich zu wehren und sträubte sich jedes Mal aufs Neue. Ihn zu fixieren und das Insulin zu spritzen, war immer wieder eine Herausforderung. «Auch sonst musste ich viel dazulernen und meinen Sohn immer kontrollieren», sagt Wicki. Das ist gerade bei einem kleinen Kind nicht immer einfach. Das Wichtigste sei, dass das Umfeld gut informiert werde und alle über die Krankheit Bescheid wüssten.

Messen – auch in der Nacht
Sechs Jahre, nachdem bei Dario die Krankheit festgestellt wurde, folgte der zweite Schock für die Familie: Auch bei der damals 9-jährigen Tochter Stefanie wurde Diabetes festgestellt. «Da hadert man dann schon mit dem Schicksal», sagt Wicki. Ausserdem habe sie sich bei der Tochter noch mehr Sorgen gemacht. Denn bei einer Frau ist das richtige Einstellen des Insulins wegen der Hormone etwas schwieriger und es kann auch bei der Schwangerschaft zu Problemen kommen. «Nach der Diagnose hatte ich eine kleine Depression», erzählt die Mutter. Doch ihre Tochter habe ihr sehr geholfen, weil sie das Positive gesehen habe und die Krankheit annahm.  Heute ist Stefanie 13 Jahre alt. Da sie und ihr Bruder gerade in der Pubertät sind und dadurch der Hormonhaushalt etwas durcheinander kommt, ist die Therapie noch etwas mühsamer geworden. «Ich muss in der Nacht zweimal aufstehen und bei den Kindern den Blutzucker messen», sagt Wicki. Die Kinder merken von all dem nichts. Sie haben sich an das Blutabnehmen schon so gewöhnt, dass sie nicht einmal mehr aufwachen.

Beratung annehmen
Eine grosse Erleichterung war für die Familie neue Technik. Die Kinder haben beide eine computergesteuerte Insulinpumpe. «Das hat vieles einfacher gemacht», sagt Wicki. Trotzdem: Von der Krankheit habe man niemals Ferien. Anderen Betroffenen rät sie, sich gut zu informieren und auch Hilfe in Anspruch zu nehmen. «Die Selbsthilfegruppe, der Diabetes Kids-Club, hat mir und sicher auch den Kindern sehr geholfen», sagt sie. Mit der Krankheit hat sich die Familie arrangiert. «Mann muss sich immer bewusst sein, dass es Schlimmeres gibt», sagt Wicki.